So Herrschaften.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier im Forum auf Lebenszeiten gesperrt werde, oder mir sogar die Todesstrafe droht.
Ich muss hier jetzt mal was GANZ WICHTIGES loswerden.
Und damit die Nachwelt vor solchem Betrug gerettet wird, nenne ich auch ohne Umschweife Ross und Reiter direkt beim Namen.
Es geht um (m)ein Autohaus:
Hedin Automotive in Mannheim mit dem werten Herrn Verkäufer Lukas Junker*
Aber der Reihe nach.
Meine monatelange finanziell und technisch abgestimmt akribische Vorplanung für ein neues Auto hatte ja meine Frau bereits im Tagesrhythmus zunichte gemacht.
Jeden Morgen mit 'ner neuen Idee aufgewacht, was unser Neuer „auf jeden Fall und unbedingt“ braucht.
Von mehr Reichweite, über Sitzheizung, Kofferraum für mindestens zwei Koffer, bis hin zur Anhängerkupplung war nahezu alles dabei.
Von dem Grundgedanken, ein Zweitfahrzeug für die kleinen Erledigungen in der Nähe anschaffen zu wollen, waren wir mittlerweile meilenweit entfernt.
Endlich hatte die Liste mehr als 24h Bestand, jetzt konnte es an die Besichtigung der Begierdeobjekte gehen.
Zu klein, zu dick, zu dünn, schlechtes Ein-/Aussteigen, damit schäme ich mich, mit zunehmender Besichtigung fielen immer mehr Modelle dank Aussagen meines angetrauten Tempomats hinten runter.
Zum Schluss war neben dem bisherigen Favorit Leapmotor C10 (natürlich mit schlechtem Einsteigen) nur noch BYD zum Begutachten auf der Liste übrig.
Also ab zu Hedin nach Mannheim.
Dort von eben jenem Herrn Lukas Junker mit den Worten empfangen:
„Ja, haben wir hier und können Sie sich gerne anschauen.
Aber ich sage Ihnen gleich, wir werden in Kürze hier keine BYD’s mehr verkaufen.“
Bevor ich tief Luft für eine Antwort holen konnte, musste ich meine noch mechanisch arbeitenden Synapsen erst sortieren.
Wertvolle Sekunden gingen somit verloren, welche meine Frau für den direkten Dialog mit dem Verkäufer zu nutzten wusste.
Nach einigen Minuten zuhören des Gesprächs zwischen meiner Frau und Herrn Junker - manche kennen das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein -, habe ich mir dann einfach mal alleine den BYD angeschaut, damit ich wenigstens die Wartezeit sinnvoll nutzen konnte.
Ich bekam aus der Ferne nur Wortfetzen mit:
… Xpeng neu … ist besser … kann mehr … sieht besser aus … mit eigener App auch für Sie mit persönlichen Einstellungen nutzbar …
Letzteres war somit das Todesurteil für meine heißgeliebte Liste, dessen Topfavorit Leapmotor das wohl nicht konnte.
Noch bevor ich mich entsetzt herumdrehen und das Gespräch unterbrechen konnte, folgten die Worte von Herrn Junker:
„… ich hab hier gerade ein Kundenfahrzeug zur Auslieferung, den kann ich Ihnen gerne mal aufmachen.“
So schnell konnte ich gar nicht reagieren, als dass das Fahrzeug offen war.
Schon beeindruckend, wie weit doch solche Fernbedienungen heutzutage funktionieren.
Ich wusste um die Einschätzung des Blickes meiner Frau, ergänzt mit der Aussage: „… der ist aber bestimmt teuer.“
Diese konterte Herr Lukas mit beruhigenden Worten: „da findet sich bestimmt eine Lösung.“
Somit war der Drops erst mal gelutscht.
Mein nächster Versuch war, einen Vorführer auch mit Einsteigen und Probesitzen zu besichtigen, um vielleicht damit Frauchens Interesse wieder zu dämpfen (Kundenfahrzeuge sind für uns nämlich nur zum Gucken, nicht zum Anfassen).
Also auf Junker’s Rat hin ab zu Hedin in Schwetzingen.
Und da war es dann passiert, nachdem dort zwei G6 FL in Stellar Purple nebeneinander standen. Kennt ihr das, wenn ihr von zwei Zwillingen liebvoll mit dem Eindruck angelächelt werdet: Komm doch mal rein und schau Dich um.
Eine junge Dame hat uns die dann sofort gezeigt und ausführlich erklärt.
Das Angebot einer sofortigen Probefahrt habe ich aber dann erst mal energisch abgelehnt, da hätte ich meine Frau anschließend wohl wieder rausschneiden müssen.
Zuhause ein finanzieller Check ergab: Doch etwas zu teuer für unsere hart ersparte Portokasse. Dem Himmel sei Dank, Petrus hat ein Einsehen mit mir.
Und manchmal kommen Karma und Murphy Hand in Hand um die Kurve.
Drei Tage später gab’s genau den besichtigten Vorführer zu einem für uns erschwinglichen Preis.
Frauchen erwartet Außenfarbe Stellar Purple, dafür ich ein zusätzliches Motörchen auf der Vorderachse (nur eine Kleinigkeit, wie ich meinem Bettnachbar einreden konnte).
Gemeinsamer Wunsch für ein dunkles Interieur und einer Anhängerkupplung waren ebenfalls mit an Board.
Sämtliche Gegenargumente für eine Kaufentscheidung wurden mir somit zunichte gemacht.
Also mit der Faust in der Tasche erneut zu dem Mannheimer, der mir das eingebrockt hat.
Jetzt also „Butter bei die Fisch“.
Der Vorführer stand auf dem Hof zur Werkstatt. Aha, also war was faul.
Leider nicht. Die Frontscheibe muss wegen einem Steinschlag getauscht werden.
Mist, mein nächster Versuch: „Und wann können wir eine Probefahrt machen?“
„Wenn Sie möchten, sofort. Die Scheibe hält ja noch.“
„Und wieviel Minuten haben wir für die Probefahrt?“
„Reicht Ihnen eine Stunde? Ja? Wissen Sie was, wir machen einfach 2 Stunden draus. Und wenn’s etwas später wird, ist’s auch nicht schlimm.“
Der Kerl ist gut, wirklich richtig gut.
Die Probefahrt brachte keine negativen Erkenntnisse, so sehr ich mich auch anstrengte.
Auch die gemeinsame Besichtigung rund um und im Fahrzeug brachten keine Dinge zum Vorschein, die den Preis hätten drücken können, oder gar einen Kauf verhindern.
Noch nicht mal ein klitzekleiner Kratzer war auf einer Alufelge zu entdecken.
Verdammt!
Also zähneknirschend eben den Kaufvertrag gemacht.
„Wie geht’s nun weiter?“
„Sie bekommen eine Zahlungsaufforderung per Mail.
Die neue Frontscheibe ist geordert und wird nach Eintreffen getauscht.
Da diese dann über die Versicherung des Autohauses abgerechnet wird, kann erst anschließend die Ummeldung erfolgen.
Besorgen Sie mir einfach schon mal die eVB und ein mögliches Wunschkennzeichen, der Rest erledigt dann unser Zulassungsdienst.“
Mal ehrlich Leute, das läuft doch zu glatt ab. Wo zum Teufel ist der Harken?
Nächster Tag: „Die Frontscheibe wurde zwar geliefert, aber sie ist leider defekt. Wir mussten eine neue Scheibe ordern.“
Na endlich, da war der schon in Vergessenheit geratene Harken.
„Und nun? Dank dem US-Clown, der ein rotes Meerschweinchen auf dem Kopf balanciert, bekomme ich von meiner Bank keinen Kredit mehr, um unseren Diesel vollzutanken.“
„Na, dann fahren Sie eben bis zum Eintreffen solange Ihren G6, die Scheibe hält ja noch, und zugelassen ist er ja auch noch.
Und wenn es trotzdem Probleme mit der Frontscheibe geben sollte, dann sagen Sie einfach Bescheid, dann bekommen Sie ein Leihfahrzeug von uns.“
Der Kerl macht mir langsam Angst. Immer eine Lösung im Petto.
Langsam bereitet der mir schlaflose Nächte.
Endlich der Anruf, die Scheibe ist da.
„Kommen Sie am Montag, gleich um 8:00 Uhr mit dem Auto vorbei, die Werkstatt hat bereits den Termin reserviert, um die Frontscheibe zu tauschen.
Anschließend kümmert sich der Zulassungsdienst um die Ummeldung. Sie bekommen dann noch einen Leihwagen, bis Sie Ihr Fahrzeug erhalten.
Ich komme aber erst um 9:00 Uhr, die Kollegin am Empfang weiß aber Bescheid.“
Na also. Der Kerl versucht sich zu drücken. Ich bin mir sicher, am Montagmorgen weiß noch nicht mal jemand, dass ich komme.
Montagmorgen dann Punkt 7:59 mit einem Grinsen im Autohaus erschienen, und nachdem ich meinen Namen genannt habe, kam ein „Ah, ich weiß Bescheid.“
Nachdem die Formalitäten erledigt waren gings zum sogenannten Leihfahrzeug.
Ich bin gespannt, welche abgehalfterte Verbrennergurke die mir andrehen werden.
„Hier der Schlüssel, da ist das Fahrzeug, ein G9 Performance.
Ich denke, Sie kennen sich damit aus, sodass Sie keine große Einweisung brauchen, die Software ist ja fast identisch mit Ihrem G6.
Und falls Sie Fragen haben, einfach Bescheid sagen. Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt.“
Himmel nochmal, was war da los. Ich glaub, ich bin im falschen Film.
Ein neuer G9 Performance mit Luftfahrwerk, Dynaudio und noch keine 1.800km auf der Uhr.
Also so läuft der Hase.
Jetzt will er uns den G6 madig machen, indem er uns einen vollgepackten G9 vor die Nase setzt.
Nicht mit mir, Freundchen.
Ich also tagelang den G9 auf Herz und Nieren überprüft.
Und ENDLICH, nach über einer Woche habe ich unser absolutes No-Go entdeckt: Die Türen!
Jetzt mal ehrlich, die Griffe klingen beim Rauspoppen, wie das Öffnen einer seit Jahren abgelaufenen Sardinenbüchse.
Und innen muss man noch einen Hebel zum Öffnen ziehen. Das ist doch voll Old-School.
Von dem fehlenden Monitor im Innenrückspiegel und der hässlichen grauen Außenfarbe möchte ich erst gar nicht anfangen.
Neenee, so wird das nix, mein Bester.
Dann war unser Kleiner umgemeldet und ich konnte kurzfristig zum Autotausch anreisen.
Jetzt noch das Tüpfelchen auf dem „i“:
Alle Dokumente wurden übergeben, inklusive der noch fehlenden NFC-Card und den versprochen 4 Sommerschlappen, ohne, dass ich das erneut ansprechen musste.
Sauber war die Kiste auch innen und außen.
Ich geb’s auf.
Herrschaften, jetzt mal ehrlich.
Wo bitteschön bleibt da das gute altdeutsche Einkaufserlebnis?
Ich komme in das Autohaus und wedele mit einem fetten Stapel Geldscheine.
Nix Leasing, Finanzierung oder sonstigem Kauf auf Pump, alles BaT (Bar auf Tatze).
Da erwarte ich, dass nicht nur das ganze Autohaus Spalier steht, sondern ich möchte auch mal lautstark rumbrüllen und mit der Faust auf den Schreibtisch hauen dürfen.
Nix davon durfte ich.
Der Verkäufer hört zu, beantwortet alle Fragen und kommt einem auch sonst in allen Belangen entgegen. Selbst seine Vertretung kümmert sich um offene Fragen.
So wird das nix, Leute.
Wer also mit dem Gedanken zum Autokauf geht, jeden einzelnen Cent rausholen zu wollen, der ist hier fehl am Platz.
Dafür müsst Ihr Euch ein anderes Autohaus suchen, Hedin in Mannheim kann Euch das leider nicht bieten. Hier gibt’s nur Kaffee und kalte Getränke.
Also fallt dort nicht auf deren Masche herein, so wie es mir passiert ist.
So, ich habe fertig.
*Ich habe seine Freigabe zum Veröffentlichen seines Namens.