Ich bekomme immer wieder Anfragen von Interessierten, die mir schreiben, dass meine Firma für sie leider zu weit entfernt ist. Häufig werde ich dann gefragt, ob ich einen guten Aufbereiter oder Detailer in ihrer Nähe empfehlen kann – und vor allem, woran man überhaupt einen guten Betrieb erkennen kann.
Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie andere Aufbereiter oder Detailer arbeiten, welche Produkte sie verwenden, wie sorgfältig sie arbeiten oder wie sich deren Preise zusammensetzen.
Ich kann euch aber einmal erklären, welchen Qualitätsanspruch ich an meine eigene Arbeit habe, wie der Ablauf bei mir aussieht und warum eine professionelle Keramikversiegelung nicht einfach nur aus dem Auftragen einer Flüssigkeit besteht.
Vielleicht hilft das dem einen oder anderen auch dabei, Angebote verschiedener Aufbereiter besser miteinander vergleichen zu können.
Eine Keramikversiegelung ist nicht gleich eine Keramikversiegelung
Das Hauptproblem für jemanden, der nicht so tief in der Materie steckt, ist meiner Meinung nach, dass man meistens nur den Begriff „Keramikversiegelung“ liest oder hört.
Dabei sagt dieser Begriff allein noch relativ wenig über die tatsächlich angebotene Leistung aus.
Eine professionelle Keramikversiegelung ist kein einzelner Arbeitsschritt, sondern ein kompletter, aufeinander abgestimmter Prozess.
Hier wird nicht einfach eine Versiegelung auf den Lack aufgetragen und anschließend ist das Fahrzeug fertig.
Eine Keramik- oder Graphenversiegelung – im Fachbereich spricht man häufig von einem Coating – verhält sich grundsätzlich anders als beispielsweise ein klassisches Wachs.
Ein Wachs bildet eine vergleichsweise temporäre Schutzschicht auf der Lackoberfläche. Je nach Produkt, Untergrund und Nutzung kann ein hochwertiges Wachs durchaus mehrere Monate halten.
Ein Coating ist dagegen darauf ausgelegt, während der Aushärtung eine deutlich widerstandsfähigere und langlebigere Schutzschicht auf der Lackoberfläche zu bilden. Je nach Produktsystem findet dabei eine chemische Vernetzung mit der Oberfläche statt.
Damit diese Schutzwirkung überhaupt zuverlässig erreicht werden kann, ist aber nicht nur das Produkt entscheidend.
Die Vorbereitung des Lackes ist mindestens genauso wichtig.
Der erste Schritt: eine möglichst schonende Fahrzeugwäsche
Bereits bei der Fahrzeugwäsche gibt es erhebliche Unterschiede.
Natürlich kann man ein Fahrzeug einfach mit Shampoo waschen oder durch eine Waschanlage fahren.
Ein professioneller Detailer verfolgt aber ein anderes Ziel:
So viel Lack wie möglich erhalten.
Denn Klarlack ist nicht unendlich dick. Was einmal durch Polieren abgetragen wurde, ist weg.
Und ist zu viel Klarlack entfernt worden, lässt sich das nicht einfach wieder rückgängig machen. Im schlimmsten Fall bleibt nur eine Lackierung.
Deshalb sollte aus meiner Sicht bei jeder professionellen Fahrzeugaufbereitung der Lackerhalt an erster Stelle stehen.
Dekontamination – der Lack muss wirklich sauber werden
Auf einem Fahrzeug befinden sich normalerweise ganz unterschiedliche Arten von Verschmutzungen.
Dazu gehören beispielsweise Straßenfilm, Fett, Öl, Flugrost, Teer, mineralische Ablagerungen oder andere fest anhaftende Verschmutzungen.
Je nach Verschmutzung kommen unterschiedliche Reinigungsmittel zum Einsatz – beispielsweise pH-neutrale, saure oder alkalische Reiniger.
Nach der eigentlichen Fahrzeugwäsche kann je nach Zustand des Lackes zusätzlich eine Reinigungsknete mit einem geeigneten Gleitmittel eingesetzt werden.
Auch hier gibt es Qualitätsunterschiede.
Man könnte beispielsweise versuchen, mit einfachen Hausmitteln Geld zu sparen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man damit das gleiche Ergebnis erzielt.
Das Gleitmittel muss ausreichend Gleiteigenschaften besitzen, damit die Knete möglichst schonend über den Lack geführt werden kann. Gleichzeitig unterscheiden sich Kneten und Gleitmittel erheblich hinsichtlich Reinigungsleistung und ihrer möglichen Belastung für die Lackoberfläche.
Vor dem Polieren muss der Lack beurteilt werden
Bevor ich mit der eigentlichen Polierarbeit beginne, wird der Lack genau beurteilt.
Ich messe beispielsweise bei jedem Fahrzeug die Lackschichtdicke mit einem computergestützten Messgerät.
Dabei werden Messpunkte erfasst und die Werte in einem Protokoll gespeichert. So kann ich während der anschließenden Lackkorrektur nachvollziehen, welche Werte an den jeweiligen Stellen vorhanden sind. Auf Wunsch kann dieses Protokoll auch für den Kunden ausgedruckt werden.
Warum mache ich das?
Weil kein Lack wie der andere ist.
Es gibt sehr weiche und sehr harte Lacke. Es gibt unterschiedliche Klarlackaufbauten und natürlich auch bereits nachlackierte oder gespachtelte Bereiche.
Polieren ist nicht einfach nur „Kratzer wegmachen“
Je nach Lackbeschaffenheit und Lackdefekten kommen unterschiedliche Maschinen, Pads und Polituren zum Einsatz.
Dazu gehören beispielsweise rotative und exzentrische Maschinen, unterschiedliche Hubgrößen, zwangsangetriebene Maschinen sowie unterschiedlich abrasive Polierpads und Polituren.
Mit der richtigen Kombination lässt sich möglichst gezielt arbeiten.
Denn das Ziel sollte nicht sein:
„So viel wie möglich wegpolieren.“
Das Ziel sollte sein:
„So viel Lack wie nötig korrigieren und dabei so viel Klarlack wie möglich erhalten.“
Ein einfaches Beispiel:
Bei einem sehr weichen Lack kann eine zu aggressive Kombination aus Maschine, Pad und Politur beispielsweise neue Spuren oder Hologramme erzeugen.
Je nachdem, ob wir es mit Mikrokratzern, tieferen Kratzern, Verätzungen durch Vogelkot oder Insekten, Hologrammen, Haze oder anderen Lackdefekten zu tun haben, ist deshalb eine unterschiedliche Vorgehensweise notwendig.
Natürlich könnte man auch hier Zeit sparen und mit einer sehr aggressiven Kombination möglichst schnell ein optisch gutes Ergebnis erzielen.
Es macht schließlich einen erheblichen Unterschied, ob man für eine Lackkorrektur beispielsweise 5 Stunden oder 20 Stunden benötigt.
Genau hier beginnt aber für mich der Unterschied zwischen „möglichst günstig“ und „möglichst sorgfältig“.
Warum die Lackvorbereitung für die Keramik so wichtig ist
Eine Keramikversiegelung kann nur dann ihre vorgesehenen Eigenschaften entwickeln, wenn der Untergrund entsprechend vorbereitet wurde.
Deshalb wird der Lack nach der Politur nochmals gründlich gereinigt und entfettet.
Das ist unter anderem deshalb wichtig, weil manche Polituren mit sogenannten Füllstoffen arbeiten können. Diese können vorhandene Mikrodefekte optisch kaschieren.
Nach einer gründlichen Entfettung lässt sich beurteilen, ob die Lackkorrektur tatsächlich ausreichend war oder ob noch Defekte vorhanden sind.
Auch beim Entfetten sollte man nicht einfach irgendein Produkt verwenden.
Entscheidend ist, dass das verwendete Produkt mit dem jeweiligen Coating-System und dem vorbereiteten Lack kompatibel ist und die Oberfläche für die anschließende Beschichtung optimal vorbereitet.
Erst jetzt kommt die eigentliche Keramikversiegelung
Und auch hier gilt:
Keramikversiegelung ist nicht gleich Keramikversiegelung.
Es gibt Produkte in völlig unterschiedlichen Preisbereichen und mit unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen, Eigenschaften, Verarbeitungsfenstern, Standzeiten und Beständigkeiten.
Deshalb kann man meiner Meinung nach nicht einfach sagen:
„Ich hatte schon einmal eine Keramikversiegelung und die war nach einem Jahr nicht mehr da. Also funktioniert Keramik nicht.“
Das wäre ungefähr so, als würde man sagen:
„Ich hatte schon einmal ein Auto, das mir nicht gefallen hat. Also sind Autos schlecht.“
Wenn man zwei Keramikversiegelungen miteinander vergleichen möchte, muss man auch wissen, welches konkrete Produkt verwendet wurde, wie der Lack vorbereitet wurde, wie es verarbeitet wurde und wie das Fahrzeug anschließend gepflegt wurde.
Erst dann ist ein sinnvoller Vergleich möglich.
Auch beim Auftragen gibt es einiges zu beachten
Ist die Lackoberfläche vorbereitet, wird das Coating aufgetragen.
Auch hier gibt es ein genaues Verarbeitungsfenster.
Je nach Produkt muss das Coating eine bestimmte Zeit auf der Oberfläche reagieren bzw. ablüften, bevor der Überschuss abgenommen werden kann.
Wird zu früh abgenommen, kann möglicherweise zu viel Material entfernt werden.
Wird zu spät abgenommen, kann das Coating bereits so weit ausgehärtet sein, dass sich Rückstände nur noch sehr schwer entfernen lassen.
Besonders wichtig ist dabei, sogenannte Highspots zu erkennen und zu beseitigen. Dabei handelt es sich um Stellen, an denen überschüssiges Coating nicht vollständig nivelliert wurde.
Auch bei den verwendeten Mikrofasertüchern gibt es Unterschiede.
Ich verwende für diesen Arbeitsschritt spezielle Tücher, deren Faserstruktur darauf ausgelegt ist, den Überschuss möglichst kontrolliert abzunehmen.
Pro Fahrzeug werden dabei drei dieser Tücher verwendet. Anschließend werden sie entsorgt, weil das Coating in den Fasern aushärtet und diese hart werden können.
Und genau hier entsteht letztendlich der Preis
Wenn man nur die Flasche mit der Keramikversiegelung betrachtet, kann man natürlich sagen:
„Warum kostet eine Keramik 50 €, während eine andere 200 € kostet?“
Aber das ist eigentlich gar nicht die entscheidende Frage.
Der Preis einer professionellen Keramikversiegelung besteht nicht nur aus dem Produkt.
Er beinhaltet unter anderem:
- die Fahrzeugwäsche
- die Dekontamination
- geeignete Reinigungschemie
- die Lackinspektion
- die Lackschichtdickenmessung
- gegebenenfalls eine umfangreiche Lackkorrektur
- verschiedene Poliermaschinen
- verschiedene Pads
- verschiedene Polituren
- Mikrofasertücher
- Entfettung
- das eigentliche Coating
- die fachgerechte Applikation
- die Aushärtung
- die Kontrolle auf Highspots
- sowie vor allem die dafür benötigte Arbeitszeit und Erfahrung.
Und genau deshalb können sich die Preise verschiedener Anbieter teilweise deutlich unterscheiden.
Man kann bei einer Aufbereitung Zeit und Material einsparen.
Die Frage ist nur:
An welcher Stelle wurde gespart – und möchte ich, dass genau dort an meinem Fahrzeug gespart wird?
Mein persönlicher Anspruch ist deshalb nicht, eine Keramikversiegelung möglichst schnell oder möglichst günstig aufzutragen.
Mein Anspruch ist, den vorhandenen Lack möglichst zu erhalten, ihn bestmöglich auf die Beschichtung vorzubereiten und das Coating so zu verarbeiten, dass es seine vorgesehenen Eigenschaften möglichst zuverlässig und langfristig entwickeln kann.
Vielleicht hilft diese Erklärung dem einen oder anderen dabei, Angebote künftig etwas besser miteinander zu vergleichen.
Denn wenn irgendwo lediglich „Keramikversiegelung inklusive Aufbereitung“ für einen bestimmten Preis steht, weiß man zunächst noch relativ wenig darüber, was tatsächlich dahintersteckt.
Und genau deshalb sollte man meiner Meinung nach nicht nur den Preis vergleichen, sondern vor allem den Umfang und die Qualität der tatsächlich angebotenen Arbeit. 
Wer gerne einmal eine Fotodokumentation meiner Arbeit sehen möchte klickt bitte hier
Hier noch kurz ein Auszug von so einer Defektkorrektur:
Smart Roadster, Fahrzeug wurde vor ca. einem Jahr komplett neu lackiert. Hier der Zustand nach der Fahrzeugwäsche:
Die Mikrokratzer und der schlechte Lackzustand ist deutlich zu sehen. Der erste Zwischenstand nach dem Polieren sah schon mal ganz gut aus, reichte mir aber noch nicht
jetzt sind alle Mikrokratzer entfernt 