Strecke und Rahmenbedingungen
Ich fahre regelmässig die Strecke Südfrankreich–Schweiz (713 km einfach, 1’426 km retour). Diese Route bin ich mit dem Tesla Model Y Performance über mindestens zwei Jahre sehr konstant gefahren (rund drei Mal pro Monat). Dadurch habe ich gute Vergleichswerte bei ähnlicher Fahrweise, ähnlichen Geschwindigkeiten und etablierten Ladestopps.
Mit dem XPENG G9 Performance bin ich die Strecke im Februar zwei Mal gefahren und habe dabei bewusst versucht, so vergleichbar wie möglich zu bleiben (ähnliches Tempo, gleiche Route, teils gleiche Ladestationen).
Tesla Model Y Performance: typische Langstrecken-Performance
Im Winter lag meine Reisezeit für 713 km sehr konstant bei rund 8h 15min. Um die Ladezeit nicht unnötig zu verlängern, fahre ich in Frankreich und der Schweiz praktisch nicht schneller als 120 km/h. Bei diesem Tempo komme ich in der Regel mit zwei Ladestopps durch, die jeweils etwa 25 bis 30 Minuten dauern.
Sobald ich 130 km/h fahre, steigt der Verbrauch bei mir ungefähr um zehn Prozent. Das klingt wenig, verlängert aber die Stopps spürbar (eher 30 bis 35 Minuten). Gelegentlich kommt ein dritter Stopp dazu; wenn dann bis etwa 90 Prozent geladen werden muss, wird der Stopp schnell zum Zeitfresser (45 bis 50 Minuten).
Im Sommer ist der Tesla auf derselben Strecke meist etwa 40 Minuten schneller, primär wegen des geringeren Verbrauchs und dadurch kürzerer Ladezeiten.
XPENG G9 Performance: Resultate im Februar
Ich bin im Februar zwei Mal gefahren, einmal mit Ankunft bei etwa 5°C, einmal bei etwa 16°C. In beiden Fällen lag die Reisezeit bei exakt 7h 15min.
Damit war ich bei vergleichbarer Fahrweise auf derselben Strecke rund eine Stunde schneller als mein typischer Winterwert im Model Y Performance. Das Ergebnis erinnert an meinen bisherigen Sommer-Bestwert, den ich einmal mit einem Ioniq 5 erreicht habe.
Eindruck auf der Langstrecke: Komfort und Laden
Der G9 wirkt auf langen Etappen sehr souverän und komfortabel. Entscheidend ist für mich das Ladeverhalten: Die Stopps sind weniger „kritisch“ und fühlen sich weniger wie potenzielle Zeitfallen an. Beim Tesla konnte ein ungünstiger zusätzlicher Stopp (oder ein längeres Laden Richtung 90 Prozent) die Gesamtzeit deutlich nach oben ziehen. Beim G9 ist dieses Risiko gefühlt kleiner, weil das Laden auf der Langstrecke unschlagbar ist.
Der G9 liegt bei meiner Fahrweise etwa 4 bis 5 kWh/100 km über dem Tesla Model Y Performance. Das wird durch den grösseren Akku aber kompensiert, bleibt aber ein klarer Nachteil. Fairnesshalber: Ich bin den Tesla im Winter mit eingetragenen 19-Zoll-Rädern gefahren, was beim Verbrauch hilft.
Driver Monitoring: Die Blicküberwachung ist zu empfindlich. Beim Fahren mit Assistenzsystemen kommen häufig „Blick auf die Strasse“-Hinweise, obwohl ich normal und konzentriert fahre. Das ist auf langen Strecken unnötig störend. War beim Tesla entspannter.
Ladeplanung: Die Navigation berücksichtigt die Energie für das Batterie-Vorheizen nicht zuverlässig in der Ankunfts-SoC-Prognose. Wenn ich mit 10 Prozent geplant ankommen will, kann es knapp werden. Ich plane deshalb aktuell mit mehr Reserve und setze eher 20 Prozent als Ziel, damit die Prognose in der Praxis passt.(war auf der Strecke von Mailand nach Süd Frankreich der Fall) Stationenwahl / Favoriten: Die Routenplanung priorisiert meine bevorzugten Anbieter nicht konsequent. In einem Fall wurde mir Fastned vorgeschlagen, obwohl ein Ionity-Standort rund 15 km näher lag. Hier wünsche ich mir eine bessere Favoritenlogik.
Radio (FM/DAB): Empfang, Stabilität sind bei mir deutlich schlechter als im Tesla. Im Tesla habe ich über die ganze Strecke meine 2 Sender fast ohne Unterbrechung hören können. Beim XPeng ist das unmöglich und für mich eigentlich unbrauchbar. Sehr schade.
Fazit
Für mein Nutzungsmuster (regelmässige 713-km-Etappen, auch im Winter) ist der XPENG G9 Performance derzeit insgesamt das stärkere Langstreckenauto: reproduzierbar rund eine Stunde schneller im Winter, dazu sehr hoher Komfort und ein überzeugendes Ladeerlebnis.
Wenn XPENG bei Blicküberwachung, Ladeplanung, Favoritenlogik und Radio nachlegt, wäre das für meine Anforderungen sehr nahe an „ideal“.
