Für alle die, die nicht auch in der Facebook Gruppe sind…
Liebe Xpeng-Gemeinde,
immer wieder lese ich hier die Frage, ob man den Xpeng G9 empfehlen kann. Nach fast zwei Jahren und knapp 75.000 Kilometern kann ich für mich sagen: Ja, ich würde jederzeit wieder einen Xpeng G9 fahren.
Ich habe meinen G9 im Juli 2024 gekauft. Vorher war ich im Frühjahr 2024 in China und habe mir einige chinesische E-Autos angeschaut, die ich schon länger interessant fand. Unter anderem den BYD Seal SUV, den Zeekr 007 und den Xpeng G9. Ich bin alle drei Fahrzeuge vor Ort gefahren und war besonders vom Thema Self-Driving ziemlich beeindruckt.
Später bin ich die Fahrzeuge dann auch noch einmal in Deutschland gefahren. Dabei muss man schon sagen: Die Umsetzung der chinesischen Software in Europa ist noch einmal etwas anderes. Gerade beim Zeekr fand ich die Bedienung und Steuerung eher anstrengend. Am Ende war für mich der Xpeng G9 das interessanteste Gesamtpaket — auch, weil Zeekr damals in Deutschland praktisch noch keine echte Kaufoption war.
Nach fast zwei Jahren mit dem G9 bin ich insgesamt wirklich zufrieden. Das Auto fährt sehr angenehm, vermittelt ein gutes Sicherheitsgefühl, lädt problemlos und ist auch auf langen Strecken ein sehr komfortabler Begleiter. Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die mich im Alltag stören.
Der erste Punkt ist der digitale Schlüssel beziehungsweise die App. Ich nutze ein iPhone, vielleicht ist es bei anderen Smartphones anders. Bei mir ist es jedenfalls so, dass sich das Auto nicht immer zuverlässig öffnet, wenn ich zum Fahrzeug gehe. Offenbar hängt das auch damit zusammen, ob die App aktiv ist oder nur im Hintergrund läuft.
Manchmal sitze ich dann schon im Auto und bekomme trotzdem die Meldung, dass der Schlüssel nicht erkannt wurde. Dann muss man erneut koppeln oder kurz herumprobieren. Das ist kein Weltuntergang, weil man danach ganz normal fahren kann, aber im Alltag ist es einfach nervig.
Was mich daran zusätzlich stört: Beim Tesla meiner Frau funktioniert genau dieses Thema mit dem iPhone völlig problemlos. Das, was ich beim Xpeng erlebe, kenne ich dort so nicht.
Der zweite Punkt ist die Klimaanlage. Ich finde, sie ist oft entweder zu kalt oder zu warm. Die Temperaturangaben wirken für mich nicht besonders präzise. Es geht mir dabei weniger um das Glasdach oder darum, dass sich der Innenraum extrem aufheizen würde. Selbst bei 27 Grad und Sonne empfinde ich den Bereich oben nicht als besonders heiß.
Wenn man den Eindruck hat, dass sich der Innenraum durch das Glasdach trotzdem zu stark aufwärmt, kann man sich natürlich für ein paar Euro einen Sonnenschutz bestellen. Ich werde das wahrscheinlich auch einmal ausprobieren. Ich glaube allerdings nicht, dass das mein eigentliches Problem wesentlich verändert. Mein Punkt ist eher, dass die Klimaanlage nicht immer sauber regelt — mal kühlt sie zu stark, mal zu wenig, und beim Heizen ist es ähnlich.
Der dritte Punkt sind die Verbrauchswerte. Die angezeigten Werte passen für mich nicht ganz zur Realität. Laut Anzeige liege ich im Sommer teilweise bei etwa 15,7 kWh, im Winter bei rund 21 kWh. Tatsächlich fühlt es sich eher nach ungefähr 21 kWh im Sommer und 25 bis 26 kWh im Winter an. Mit dem großen Akku komme ich im Sommer auf knapp 450 Kilometer Reichweite. Im Winter sind es maximal etwa 400 Kilometer, realistischer eher 375 Kilometer.
Beim Laden habe ich dagegen keinerlei Probleme. Da kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Auch beim Komfort bin ich grundsätzlich sehr zufrieden. Ein Punkt ist allerdings der Fahrersitz: Ich empfinde ihn mittlerweile als relativ hart beziehungsweise nicht ganz ausreichend gepolstert. Ich habe mir inzwischen sogar ein zusätzliches Polster aufgelegt, weil es für mich auf Dauer angenehmer ist.
Beim Fahren selbst gibt es noch eine Sache, die mich stört: Wenn ich mit aktivem Assistenzsystem beziehungsweise Autopilot überhole, blinke und selbst übernehme, steuert das Auto manchmal gegen, weil es offenbar meint, ich würde die Fahrbahnbegrenzung ungewollt überfahren. Dabei blinke ich ja gerade, weil ich die Spur wechseln beziehungsweise die Fahrbahnbegrenzung bewusst überfahren möchte.
Das ist ein Punkt, bei dem ich immer wieder gegen das System arbeiten muss. Vielleicht mache ich da auch etwas falsch — falls jemand dazu Tipps hat, gerne her damit.
Ein weiterer Punkt, den ich bei meinem Fahrzeug wirklich schade finde, ist das fehlende Apple CarPlay. Mir geht es dabei gar nicht so sehr um CarPlay an sich, sondern vor allem um Google Maps. Mein Fahrzeug stammt aus 2023, und meines Wissens unterstützen neuere Fahrzeuge Apple CarPlay bereits. Darauf würde ich heute auf jeden Fall achten.
Wenn ich nicht falsch informiert bin, nutzt Xpeng hier TomTom. Ich bin im Ruhrgebiet ansässig, und hier ist das aus meiner Sicht leider oft katastrophal. Gerade rund um A40, A3, A59 und die ganzen Baustellen, Sperrungen und Umleitungen ändert sich gefühlt ständig etwas.
Ein Beispiel: Ich bin neulich nach Düsseldorf gefahren, hatte die Xpeng-Navigation laufen und bin prompt in eine Sperrung geraten. Mit Google Maps auf dem Handy wäre mir das nicht passiert. Zusätzlich hatte ich auch schon den Fall, dass mir Xpeng Ionity-Ladestationen angezeigt hat, die gar keine Ionity-Stationen waren. Das ist natürlich ärgerlich, wenn man sich darauf verlässt und dann an der falschen Ladesäule steht.
Ein kleiner Wunsch, falls Xpeng hier vielleicht auch mitliest: Ein Rettungsgassen-Modus wäre für Deutschland tatsächlich sinnvoll. Wenn man im Stau steht, positioniert sich das Auto sehr mittig in der Spur. Für die Rettungsgasse wäre es aber besser, wenn das Fahrzeug je nach Spur möglichst weit links oder rechts fahren beziehungsweise stehen könnte. Das ist kein großes Drama, aber es wäre eine Funktion, die das Auto stärker an den deutschen Alltag anpassen würde.
Trotz dieser Punkte überwiegt für mich beim Auto selbst ganz klar das Positive. Der G9 ist komfortabel, schnell, sicher, lädt stark und macht im Alltag sehr vieles richtig. Ich fahre noch das 2023er Modell. Wenn ich heute entscheiden müsste, würde ich mir vermutlich sogar das neue Facelift anschauen.
Was mich allerdings wirklich stört, ist nicht so sehr das Auto selbst, sondern der Service beziehungsweise die Customer Experience rund um Xpeng.
Ich komme ursprünglich von VW und habe mit meinem Passat wirklich einiges erlebt — unter anderem regelmäßige Neustarts des Infotainments über Jahre hinweg, weil VW es lange nicht per Update in den Griff bekommen hat. Und als dann irgendwann ein Update verfügbar war, sollte man dafür auch noch bezahlen. Das hat bei mir ehrlich gesagt viel Frust hinterlassen. Vor diesem Hintergrund bin ich mit dem Xpeng als Fahrzeug insgesamt wirklich zufrieden.
Aber beim Service habe ich leider bisher kein gutes Gefühl.
Ich hatte inzwischen schon mehrere Servicethemen. Ein aktuelles Beispiel: Das Vor- und Rückfahren per App funktionierte bei mir nicht mehr. Diese Funktion finde ich eigentlich klasse, gerade in der Garage, wenn man nah an der Wand parkt und trotzdem noch einmal an den Kofferraum muss. Ich habe das beim Service angesprochen. Daraufhin hieß es, ein Sensor sei defekt. Der Sensor wurde getauscht. Ich fahre extra rund 35 Kilometer zum Autohaus, hole das Auto ab — und die Funktion geht immer noch nicht.
Als ich gefragt habe, was wir jetzt machen, wurde mir gesagt, dass der Mitarbeiter, der das Auto repariert hat, jetzt ein anderes Auto repariert. Ich müsste also am nächsten Tag erneut kommen, damit man sich das noch einmal anschaut. Für mich bedeutet das wieder 35 Kilometer hin, wieder zurück, Organisation mit Bahn und Zeitverlust. Das empfinde ich ehrlich gesagt als klares Unding.
Da frage ich mich schon, wer am Ende eigentlich prüft, ob der gemeldete Fehler nach der Reparatur wirklich behoben ist. Genau solche Dinge versauen die Customer Experience total.
Und das ist leider nicht der einzige Fall. Es sollte auch einmal irgendeine Box im Fahrzeug getauscht werden. Ich hatte ohnehin einen Servicetermin. Statt das direkt mitzumachen, wollte man beim Termin erst einen weiteren Termin dafür vereinbaren. Also musste ich den eigentlichen Service wieder verschieben, damit man beides zusammenlegen kann. Danach gab es wieder Dinge, die nicht sauber funktioniert haben, zum Beispiel hatte ich plötzlich keinen Empfang mehr zum Fahrzeug.
Mein Eindruck ist leider: Nach Servicearbeiten wird nicht konsequent genug geprüft, ob danach wirklich alles funktioniert. Und genau das nervt mich.
Nach dem Frust mit einem Autohaus bin ich dann zu einem anderen gefahren, das relativ neu Xpeng macht und eigentlich aus dem BMW-Bereich kommt. Dort hatte ich aber leider einen ähnlichen Eindruck. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass Xpeng bei vielen Autohäusern eher als Stiefkind behandelt wird.
Man nimmt Xpeng ins bestehende Markenportfolio auf — ob nun BMW, Land Rover, VW oder eine andere Marke — und fügt es irgendwie hinzu. Aber bei mir entsteht oft der Eindruck, dass es ein ungewolltes Stiefkind ist, dem keine echte Leidenschaft entgegengebracht wird. Das Auto lässt sich vermutlich gut verkaufen, aber im Service spüre ich bisher wenig echtes Commitment zur Marke und zum Produkt.
Vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck, vielleicht hatte ich einfach Pech. Ich will ausdrücklich nicht ausschließen, dass es sehr gute Xpeng-Autohäuser gibt. Aber meine bisherige Customer Experience beim Service ist leider so schlecht, dass ich sagen muss: Wenn das Auto selbst nicht so gut wäre, würde ich aktuell wahrscheinlich deutlich kritischer urteilen.
Und genau deshalb würde mich eure Erfahrung interessieren.
Mich interessieren besonders Rückmeldungen von Leuten, die ihren Xpeng schon länger als ein Jahr fahren, vielleicht über 20.000 Kilometer runter haben und bereits echte Service- oder Reparaturthemen hatten. Wie wurde bei euch damit umgegangen? Wurde sauber geprüft? Wurden Probleme nachhaltig gelöst? Musstet ihr auch mehrfach wegen derselben Dinge hin?
Und vielleicht noch wichtiger: Welche Autohäuser könnt ihr wirklich empfehlen — gerade dann, wenn mal nicht alles glatt läuft?
Mein Fazit bleibt trotzdem: Ja, ich würde den Xpeng G9 wieder kaufen. Das Auto selbst überzeugt mich nach fast zwei Jahren und knapp 75.000 Kilometern immer noch. Aber beim Service und bei einigen Software- beziehungsweise Navigationsthemen sehe ich noch deutlich Luft nach oben.