Ich möchte euch gerne mein “Projekt der dunklen Winterabende” vorstellen. Seit Ende November bin ich nun mit unserem G9 unterwegs und im Grunde sehr begeistert. Bis auf eine bestimmte Sache. Das Fach der Mittelarmlehne. Im Grunde ist es ein einziges, großes, dunkles Loch. Warum es nicht einmal beleuchtet ist, bleibt wohl ein Mysterium.
Generell fehlt mir eine Ablagemöglichkeit für meine Lade-/Mautkarten und eine zweite Brille. Auch ein kleines Fach für Kleinkram (USB-Sticks, Kleingeld etc.) wäre ganz nett. Zwar gibt es bereits eine sehr einfache Version einer kleinen Ablage zum reinhängen, jedoch ist das nicht das was ich mir vorgestellt habe.
So begab es sich eines Abends - eher aus einem Spieltrieb heraus - das ich begann eine Ablage nach meinen Vorstellungen zu zeichnen. Als der erste Entwurf fertig war und ich diesen zwischen den Feiertagen meinen Liebsten vorstellte, war das Fazit deutlich: “Ja ganz nett, aber warum hast du keine Beleuchtung mit eingebaut?” . Nun. Zurück am Rechner und einige Abende später war eine Platine entwickelt und eine Mechanik konzipiert. Irgendwie uferte das Projekt langsam aus ![]()
Hier erstmal ein paar Renderings von der Ablage:
Selbstverständlich wollte ich keine Beleuchtung integrieren, die irgendwelche Kabel erfordert. Also war klar eine Akku Lösung muss her. Aber so groß dimensioniert, das man den Akku maximal einmal im Jahr per USB-C laden muss. Also die Platine um Laderegler und Co. erweitert. Auch die Helligkeit der LED’s (Zwei, eine für oben und eine als Fachbeleuchtung nach unten) sollte unabhängig von der Akkuspannung gleichmäßig bleiben - ein entsprechender LED Treiber wurde ergänzt. Statt einer zu erst gedachten komplizierteren Sensorlösung für die Erkennung ob das Fach geöffnet ist oder nicht, ließ ich mich beim Getränkeholen schließlich doch von meinem Kühlschrank inspirieren.
Während die Platine in einer Kleinstserie (5 Stück) inklusive Bestückung geordert wurde, machte ich mich an die Fertigung der ersten Ablage. Dazu muss ich sagen, das ich dabei sehr von unseren Maschinen im Unternehmen profitieren konnte. Für unser eigentliches Produkt haben wir von etwa 2 Jahren neue Produktionsmaschinen angeschafft. Auch wenn es eine Art des 3D Drucks ist, hat es mit dem gewöhnlichen FDM Druck, den die meisten mit 3D Druck verbinden eher wenig gemein. Beim Selektiven Lasersintern (SLS) wird hochfeines Nylonpulver mit einem starken Laser Schicht für Schicht geschmolzen. Das Ergebnis ist ein sehr leichter Druck mit hoher Stabilität und Temperaturbeständigkeit. Der entscheidende Vorteil zum Spritzguss und dem FDM Druck ist die Freiheit in der Form. Es sind keine Stützstrukturen wir beim FDM Druck erforderlich und es müssen keine Einschränkungen wie beim Herstellen einer Gussform beachtet werden. Mechanik, wie beispielsweise der Hebel für die Aktivierung der LED’s, lässt sich direkt fertig drucken. Kurz gesagt: das war man entwirft, kommt genau so raus. Das Wabenmuster, was auch XPENG an diversen Stellen verwendet, wäre beispielsweise so, als ein Stück in verschiedenen Achsen, anders kaum möglich gewesen.
Dafür ist das ganze zu Beginn etwas schmutziger ![]()
In der Druckkammer wird zunächst bei etwa 220 Grad das Pulver Schicht für Schicht mit einem 30W Laser beschossen. Nach jeder Schicht (0,11mm) wird eine neue Pulverschicht aufgetragen. Da technisch bedingt immer die ganze Baufläche aufgefüllt wird, entfallen die nötigen Stützstrukturen. Das überschüssige Pulver wird nach Abschluss des Drucks entfernt und dient bis dahin als “Stütze”.
Anschließend geht es in die Reinigungsstation. Hier wird das überschüssige Pulver soweit möglich mit einer Bürste entfernt und fällt dabei in ein vibrierendes Sieb. Es kann so später erneut verwendet werden.
Für ein perfekte Oberfläche reicht das allerdings noch nicht. Auch sehr kleine Ecken lassen sich nur schwer komplett von den Rückständen befreien. Deshalb die Ablage fix ins Auto geschmissen und ab zu unserer “Schrauberhalle” gefahren. Dort haben wir die nötige Luftdrucktechnik und eine Kabine zum Glasperlenstrahlen.
Dieses Spiel habe ich genau 4 Mal gespielt, bis ich glücklich und zufrieden meine Ablage endlich im G9 verbaut habe. Natürlich hier ein paar Bilder vom fertigen Endergebnis ![]()
Dabei fällt mir ein, auch gedruckt und in ihrem Halter sind zwei “Schnubbies” zum Entriegel von Einkaufskörben.
Das war doch eine längere Geschichte als gedacht. Wenn jemand Lust auf noch mehr Details zu dem Produktionsverfahren hat, wir haben vor einiger Zeit ein kleines Video dazu produziert: https://youtu.be/Md_cgVcfeRU?si=8ivZQtj6BrPzpCYq
Ich hoffe euch hat dieser kleine Einblick gefallen ![]()




















