Ich verstehe den Punkt mit der Intransparenz des Systems - und ja, die Informationslage an vielen Ladepunkten ist aktuell schlicht nicht vorhanden. Das ist ein echtes Defizit, ersetzt aber auch nicht die Eigenverantwortung eines jeden Menschen, sich zu informieren.
Ich halte den Vergleich mit der Autobahn weiterhin für passend. Auch dort ist das System komplex: Tempolimits, Verkehrsdichte, Fahrzeugleistung, Witterung, Spurwahl – all das beeinflusst Sicherheit und Effizienz. Der Unterschied ist nicht die Einfachheit des Systems, sondern der Umstand, dass wir gelernt haben, uns darin zu bewegen.
Niemand erwartet, dass Autofahrer die Physik hinter Bremswegen oder Verkehrsflüssen im Detail berechnen. Aber es wird vorausgesetzt, dass man sich informiert, grundlegende Regeln kennt und sein Verhalten anpasst. Genau das ist Teil der Teilnahme an einem technischen Massensystem.
Übertragen auf das Laden: Ladeleistung, Fahrzeugarchitektur, Batterietemperatur oder Belegung sind bekannte - oder zumindest simpel erlernbare Einflussfaktoren. Dass diese Informationen heute schlecht kommuniziert werden, ist ein Problem - aber kein Argument, Nutzerverantwortung vollständig zu verneinen.
Smarte Infrastruktur und informierte Nutzer sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Auch die beste Infrastruktur funktioniert nur dann effizient, wenn die Nutzer ein Mindestmaß an Verständnis mitbringen. Autobahnen funktionieren nicht, weil sie „mitdenken“, sondern weil Regeln, Information und Nutzerverhalten zusammenspielen.
Der Ausbau der Infrastruktur ist richtig und notwendig. Ihn jedoch primär damit zu begründen, dass Menschen überfordert seien, greift zu kurz. Das eigentliche Ziel sollte sein: bessere Information, klare Regeln - und Nutzer, die bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen.