Reisebericht aus China: Warum XPENG (und alle anderen) es im Ausland so schwer haben

Hallo zusammen,

ich bin aktuell geschäftlich in China unterwegs, Shanghai und Shenzhen, unter anderem im Austausch mit Vertretern auf Regierungsebene und OEM Seite. Ich wollte euch ein paar Eindrücke und Erkenntnisse mitgeben, die mir in den letzten Tagen nochmal deutlich klarer geworden sind. Manches davon ahnt man als XPENG Fahrer vielleicht schon, aber wenn man es hier vor Ort erlebt und mit den richtigen Leuten spricht, fügt sich ein ziemlich klares Bild zusammen.

Wie der chinesische EV Markt entstanden ist

Was hier in den letzten zehn Jahren passiert ist, hat mit klassischer Automobilindustrie im europäischen Sinne wenig zu tun. Der Staat hat mit massiven Subventionen einen kompletten Industriezweig aus dem Boden gestampft. Kaufprämien, Steuervergünstigungen, vergünstigte Grundstücke für Fabriken, bevorzugte Kreditvergabe, Nummernschildlotterien in Großstädten, die Verbrenner faktisch aussperren. Das war kein organisches Wachstum, das war ein strategisches Infrastrukturprogramm auf nationaler Ebene.

Und wer sind die Spieler, die davon profitiert haben? In den seltensten Fällen klassische Autobauer. Es sind Technologiekonzerne. Huawei baut heute faktisch Autos unter dem AITO Label mit Seres. Xiaomi hat den SU7 auf den Markt gebracht, ein Smartphone Hersteller. BYD kommt aus der Batterietechnik. Und auch bei XPENG, NIO oder Li Auto stecken im Kern Software und Technologieunternehmen, keine Firmen mit 100 Jahren Karosseriebau Erfahrung.

Die Denkweise dahinter ist radikal pragmatisch: Technik ist Technik. Ob du eine Zahnbürste, einen Smart TV oder ein Auto baust, am Ende geht es um Hardware, Software, Sensorik, Vernetzung. Die Hülle drumherum ist Ingenieursarbeit, aber nicht die Kernkompetenz. Das erklärt auch, warum die Softwareintegration in vielen chinesischen Fahrzeugen auf dem Heimatmarkt so beeindruckend funktioniert. Diese Unternehmen denken vom Bildschirm und vom Ökosystem her, nicht vom Fahrwerk.

Die Subventionen werden seit einiger Zeit schrittweise zurückgefahren. Gleichzeitig herrscht im Inland ein brutaler Preiskampf. Dutzende Marken kämpfen um denselben Markt, Margen gibt es kaum, profitabel ist fast niemand. BYD ist die große Ausnahme, der Rest verbrennt Geld oder operiert bestenfalls an der Nulllinie.

Das zwingt die Hersteller zur Internationalisierung. Wer langfristig überleben will, braucht Absatzmärkte außerhalb Chinas. Europa, Südostasien, Naher Osten, perspektivisch vielleicht auch Lateinamerika. Das Problem: Die meisten sind darauf schlicht nicht vorbereitet.

Und hier wird es für uns als XPENG Community sehr konkret. Was ich hier vor Ort sehe und höre, bestätigt vieles, was wir im Forum immer wieder diskutieren.

XPENG hat in China einen eigenen Kartendienst im Fahrzeug. Die Navigation, die Routenplanung, die Integration mit dem Assistenzsystem, alles ist aufeinander abgestimmt und funktioniert im chinesischen Ökosystem hervorragend. Für Europa wird TomTom eingesetzt, und das ist, ehrlich gesagt, nicht viel mehr als ein Pflaster. Die Integration fühlt sich an wie ein Fremdkörper in der Software. Karten laden anders, die Routenführung verhält sich anders, die Anbindung an XNGP und andere Fahrzeugfunktionen ist nicht auf dem Niveau, das technisch eigentlich möglich wäre. Das sind keine Kleinigkeiten, das ist ein fundamentales Integrationsproblem.

Und genau hier liegt der Knackpunkt: Die Unternehmen verstehen oft gar nicht vollständig, wie tief dieses Problem reicht. In China funktioniert alles in einem geschlossenen System, WeChat, Alipay (einfach brutal gut und simpel), eigene Kartendienste, eigene Cloud Infrastruktur. Sobald du das verlässt und in europäische oder amerikanische Strukturen eintreten musst, mit anderen Datenschutzanforderungen, anderen Kartenanbietern, anderen Zahlungssystemen, anderen regulatorischen Rahmen, bricht die nahtlose Integration auf.

Dazu kommt: Das Wachstumstempo ist enorm. Diese Firmen sind in wenigen Jahren von null auf Hunderttausende Einheiten hochskaliert. Ich war gestern bei einem Hersteller von Lüftern - innerhalb von 6 Jahren zum Chinesischen Marktführer geworden. Die Organisationen sind jung, die Prozesse noch nicht ausgereift, die Erfahrung im Umgang mit komplexen ausländischen Märkten fehlt. Themen wie Aftersales Strukturen, Ersatzteillogistik, lokale Zulassungsanforderungen, Händlernetzaufbau oder auch nur die kulturelle Komponente, wie europäische Kunden ein Fahrzeug erleben und welchen Service sie erwarten, das alles muss erst noch gelernt werden.

Gleichzeitig können sie sich keinen vollen Fokus auf Overseas leisten, weil der Preiskampf zuhause die volle Aufmerksamkeit fordert. Wenn dir im Heimatmarkt monatlich ein neuer Wettbewerber mit aggressiveren Preisen entgegenkommt, kannst du nicht gleichzeitig in Ruhe eine saubere Europastruktur aufbauen. Es ist ein permanenter Spagat zwischen Überleben im Inland und Expansion ins Ausland.

Wir sind im Grunde Early Adopter eines Produkts, das für einen komplett anderen Markt entwickelt wurde und jetzt mit begrenzten Ressourcen auf unseren Markt angepasst wird. Das erklärt die Softwarethemen, das erklärt die manchmal holprige Kommunikation, das erklärt warum Updates für den EU Markt langsamer kommen. Es ist kein böser Wille und es ist auch kein technisches Unvermögen. Es ist schlicht die Realität eines Unternehmens, das gleichzeitig zu viele Fronten bedienen muss.

Was mich trotzdem optimistisch stimmt: Die technologische Substanz ist da. Was XPENG hier in China auf die Straße bringt, ist beeindruckend. Die Frage ist nur, ob und wie schnell sie den Transfer nach Europa schaffen, bevor der europäische Kunde die Geduld verliert.

Bilder und mehr

Ich bin noch bis Sonntag hier und habe am Samstag eventuell die Möglichkeit, einen XPENG Händler vor Ort zu besuchen. Falls jemand von euch konkrete Fragen hat oder bestimmte Details sehen möchte, ob Fahrzeugausstattungen, Softwareversionen auf dem chinesischen Markt, Showroom Eindrücke oder anderes, schreibt es gerne in die Kommentare. Ich versuche, das mitzunehmen und für euch festzuhalten.

Bilder aus den letzten Tagen folgen, sobald ich sie sortiert habe.

Viele Grüße aus Shenzhen!

XPENG - G3, wohl eines der ersten Modelle hier auf dem Markt. Kann aber schon LCC wie wir es gerade in der neuen Version erleben dürfen.

Vielen Dank für diesen für mich sehr gewinnbringenden Artikel und dafür, dass Du deine Kenntnisse hier mit uns teilst. Für mich ist das seit Beginn meiner Mitgliedschaft hier die kompetenteste und beste Darstellung der aktuellen Herausforderungen. :+1:

Der soll ja eventuell in 2026 auch nach Europa kommen. Der CEO Xpeng Deutschland hat ja gesagt, zwei Modelle unterhalb vom G6 kommen dieses Jahr zu uns.

War gestern mit einem Geschäftskontakt in seinem G5 unterwegs. Die Xpeng eigenen Karten hier können sogar die Ampelschaltzeiten abrufen. Wissen also genau, wie lange die aktuelle Rot/Grün Phase noch dauert.

Noch eine Beobachtung, die ich euch nicht vorenthalten will.

Wer hier durch ein beliebiges Shoppingcenter läuft, merkt sofort: Autos werden in China nicht im Autohaus verkauft (gibt es zwar vereinzelt- eher aber im Tesla Stye), sie werden dort verkauft, wo die Menschen sowieso sind. In praktisch jeder größeren Mall steht mindestens ein Hersteller mit einem aufwändig gestalteten Showroom zwischen Modeboutiquen, Bubble Tea Läden und Elektronikgeschäften. Oft sind es drei, vier, fünf Marken im selben Center, direkt nebeneinander.

Ich konnte bisher leider nur ein paar Bilder machen, weil ich überwiegend in geschäftlichen Terminen steckte und wenig Freizeit hatte. Am Samstag nehme ich mir gezielt Zeit dafür und werde mehr dokumentieren.

Was auf den Bildern aber schon deutlich wird: Der Aufwand, der hier betrieben wird, ist enorm. Das sind keine improvisierten Aufsteller mit einem Fahrzeug und einem Faltprospekt. Das sind durchdesignte Markenwelten mit Lichtkonzepten, digitalen Displays, Loungebereichen und Personal, das sofort auf dich zukommt. Jeder Quadratmeter ist durchdacht, jedes Detail auf Wirkung ausgelegt. Enorm viel Hochglanzwerbung ala Apple. Hier geht es nicht ums Auto allein, hier geht es um Markeninszenierung.
Und genau das ist auch nötig, denn technisch geben sich viele dieser Fahrzeuge erstaunlich wenig. Großes Display, Sprachsteuerung, ADAS Systeme, gute Reichweiten, das bieten inzwischen fast alle. Wenn das Produkt sich kaum noch unterscheidet, wird der Kampf über zwei Hebel geführt: Preis und Image.

Entsprechend fließen gewaltige Summen in Marketing, Influencer Kooperationen, Social Media Kampagnen und eben diese Retail Präsenz in den besten Lagen der Stadt. Die Kundenakquise Kosten pro Fahrzeug dürften bei einigen Herstellern in Bereichen liegen, die jede europäische Marketingabteilung nervös machen würden.

Für die Unternehmen ist das ein weiterer Faktor, der die ohnehin dünnen Margen weiter belastet. Du kannst den Preiskampf nicht gewinnen und gleichzeitig Millionen in Markenaufbau stecken, ohne dass es irgendwo wehtut. Und trotzdem hat keiner eine Wahl: Wer in der Mall nicht präsent ist, existiert im Bewusstsein der chinesischen Käufer schlicht nicht.

Übrigens ein interessanter Kontrast zu Europa: Während wir uns bei XPENG manchmal wundern, warum die Markenpräsenz und der Vertrieb hier bei uns so zurückhaltend wirken, wird einem vor Ort klar, wie viel Energie und Budget allein der Heimatmarkt verschlingt. Was für europäische Verhältnisse übrig bleibt, ist ein Bruchteil dessen, was hier täglich in einem einzigen Shoppingcenter an Vertriebsaufwand betrieben wird. Das ist hier aber auch wirklich dringend nötig um zu überleben. Die größten Absätze werden nun mal und das ist Fakt, hier in China gemacht. Die Betriebssysteme sind im Übrigen alle sehr, sehr ähnlich. Türgriffe, Lautsprecherblenden, Armablagen - nahezu alles identisch. Es gibt ein paar wenige Produzenten die das auf Masse für alle Hersteller mit minimaler, produktionsoptimierter Anpassung fertigen. Nur so geht das zu Preisen, wie wir sie Erleben: Übrigens analog wie es einst der VW Konzern mit Skoda etc. gemacht hat, nur hier eben um Welten besser skaliert.

Mehr Bilder und Eindrücke folgen am Wochenende.

Ja, weil die Ampeln die Daten an die Autos schicken?

Weißt Du das? Mir konnte das noch keiner so bestätigen. Es gibt zig Kartenanbieter in China. z.T. auch unterschiedliche in Nord- und Südchina. Es wird schon so sein, dass es ein zentrales traffic system gibt, dass die Schaltzeiten regelt, daran werden die Navigatiossysteme live angebunden sein.

Hier habe ich vor ein paar Tagen in Shanghai den nextP7 live gesehen. Ist schon wirklich ein ordentliches Schiff. Sowohl in Länge als auch in Breite, wenn es so vor einem steht. Aber mir gefällt er wirklich ausgesprochen gut.

Den P7+ habe ich auch mehrfach gesehen. War mir bisher immer unsicher, ob die Heckflosse nur auf den Bildern, in meinen Augen so unpassend am Auto sitzt. Hat sich aber jetzt bestätigt - finde ich persönlich wirklich so gar nicht gelungen. Optisch echt nicht meins in live.

Super spannender Einblick in eine für mich ferne Welt. Interessant wäre natürlich auch, wie sich hier die klassischen Hersteller aus DE in den Markt in China einbringen, allein beim Thema Software.

Bei all der Fülle an neuen Marken und Fahrzeugen ist auch spannend, wie sich der Gebrauchtmarkt hier aufbaut.

Bzgl. dem P7N - täuscht das oder ist der wirklich länger als der E 300er L nebenan?

Sehr interessant. Danke für die Einblicke in diese Welt.

Tolle Berichte, da kann ich nur gratulieren. :+1:

Hast Du vor Ort einen persönlichen Eindruck darüber bekommen, wie weit/gut Xpeng im chinesischen Markt vertreten ist?

Ich meine gehört zu haben, dass BYD in China sehr weit vorne ist.
Aber wo rangieren die anderen europäisch Vertretenen, wie MG, Leapmotor, Kia, etc. und eben auch Xpeng?

Klar, ist das dann evtl. nur Deine persönliche Meinung, aber Du scheinst die trotzdem objektiv und glaubhaft wiederzugeben.

Das ist für mich der Grund, warum VZE (zumindest für mich beim G6 im Gegensatz zu VW) in Deutschland grottenschlecht und nicht zu gebrauchen ist.
Deiner Erklärung nach, befürchte ich auch zumindest in absehbarer Zeit diesbezüglich keine nennenswerte Verbesserung mit OTA-Updates.
Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.
Ich kann seit dem letzten Update mit ACC & LCC trotzdem gut leben.

Gibts bei uns ja auch schon seit einer Generation, wird aber nur vom ÖPNV genutzt.

Ist es nicht so, dass hierbei die Daten vom Fahrzeug an die Ampeln, und nicht umgekehrt gesendet werden?

Deutsche Autos sehe ich hier durchaus, aber man muss genau hinschauen wo. Die Verkäufe der deutschen Hersteller sind in China 2025 schon sehr gefallen an die 10% glaube ich, während der Gesamtmarkt gleichzeitig um fast 10% gewachsen ist.

Aber: BMW und Mercedes genießen hier nach wie vor enormes Ansehen als Statussymbol. In den Gesprächen mit lokalen Zulieferern und Unternehmern fällt mir auf, dass deutsche Autos sehr gezielt als Repräsentationsfahrzeug eingesetzt werden. Der Firmenchef fährt BMW oder Mercedes, von Letzterem gerne die Langversion. Das steht dann auf dem Chefparkplatz, während die Mitarbeiter BYD, NIO, XPENG oder eine der zig anderen Marken hier fahren, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. „Deutsch" steht hier scheinbar noch immer für Prestige, Ingenieurskunst und Verlässlichkeit. Aber die breite Masse kauft längst chinesisch. Der Statuseffekt allein reicht nicht, um Volumen zu halten.

Ich glaube schon, deutschen Hersteller haben das Problem erkannt und investieren massiv, siehe Volkswagen in XPENG, Mercedes hat für die China E Klasse L sogar eigene Entwicklungen MBUX gemacht, da hatte ich gestern mit einem der Lüfterhersteller für die Steuergeräte zu tun. Aber sie spielen hier gegen Unternehmen, die Software als Kernkompetenz mitbringen, nicht als Fleißaufgabe.

Den Gebrauchtwagenmarkt gibt es hier angeblich faktisch nicht, war ich auch überrascht. Das ist eines der spannendsten und gleichzeitig beunruhigendsten Themen hier. Die Fahrzeuge verfallen hier innerhalb eines Jahres um bis zu 50% im Wert, da der Einstandspreis eben auch schon enorm niedrig und die innovation eben extrem hoch. Das ist brutal. Abgesehen davon fahren die auch alle zum Teil echt wild, so sehen manche Autos auch aus….

Die Gründe liegen auf der Hand: Alle paar Monate kommt ein neues Modell mit mehr Reichweite, besserer Software, niedrigerem Preis. Warum sollte jemand ein zwei Jahre altes EV kaufen, wenn der Nachfolger neu günstiger ist und mehr kann? Dazu kommt das Phänomen der sogenannten „Zero Mileage Used Cars", bei denen Hersteller und Händler Fahrzeuge zulassen und als verkauft melden, obwohl sie nie an einen echten Kunden gegangen sind. Diese Autos landen dann als „Gebrauchte" mit 0 Kilometern auf dem Markt und drücken die Preise zusätzlich. Das ist wohl auch staatlich gewollt um den Innovationsdruck hoch zu halten.

Für den Endkunden heißt das: Wer hier ein EV kauft, muss damit rechnen, dass es in zwei Jahren einen Bruchteil des Kaufpreises wert ist, wenn überhaupt noch ein messbarer Wert vorhanden ist. Das ist für die Hersteller langfristig ein riesiges Problem, weil es das Vertrauen in die Marke und das Produkt untergräbt. Einen funktionierenden Gebrauchtmarkt, wie wir ihn aus Europa kennen, gibt es hier für EVs wohl de facto nicht.

Bzgl. der Länge könntest Du recht haben. Habe ich nicht drauf geachtet. Müsste aber im Netz schon die Abmessungen für den NextP7 geben. Er hat aufgrund seiner Tiefe und Breite in jedem Fall ein massives und zugleich sportliches Auftreten, gefällt mir gut. Wenn der es bis 2027 nach DE schafft, darf der gerne meinen IX ersetzen :slight_smile:

Danke dir!

Ja, da kann ich tatsächlich was zu sagen, auch wenn das natürlich mein persönlicher Eindruck in Kombination mit viel Austausch der Industrie hier vor Ort ist und keine Marktanalyse.

BYD ist hier omnipräsent. Das ist kein Vergleich zu irgendeiner anderen Marke. Die sind in China ungefähr das, was VW in Deutschland in den 90ern war: Einfach überall. Jede Preisklasse, jede Fahrzeugkategorie, jeder zweite Parkplatz. Vom kleinen Stadtauto bis zur Oberklasse Limousine, BYD hat für alles eine Antwort. Die Dichte an Showrooms und Servicepunkten ist beeindruckend, teilweise stehen drei BYD Stores in einer Einkaufsstraße. Dazu kommen Submarken wie Denza im Premiumbereich oder Yangwang ganz oben. Die spielen hier in einer komplett eigenen Liga. Jedes Premium Didi das ich bestellt habe (Didi = equivalent zu Uber) ist eine schwarze BYD Limousine bisher gewesen.

XPENG sieht man im Straßenbild DEUTLICH seltener, aber das liegt auch an der Positionierung. Die sind nicht der Volumenhersteller für jedermann, sondern eher das, was man in Europa als „Tech Premium" bezeichnen würde. In Shenzhen und Guangzhou, also quasi im Heimatgebiet, sieht man sie naturgemäß häufiger. In Shanghai auch, aber schon deutlich weniger als BYD, NIO oder Li Auto. Mein Eindruck ist, dass XPENG hier als innovative Marke wahrgenommen wird, insbesondere was autonomes Fahren angeht, aber im Vergleich zu BYD oder sogar Geely/Zeekr noch deutlich kleiner unterwegs ist. Man merkt, dass die Marke wächst, aber sie kämpft hier eben gegen Dutzende Wettbewerber, die teilweise mit absurden Preisen reindrücken.

NIO fällt auf, vor allem durch die Battery Swap Stationen, die man hier regelmäßig sieht. Die haben sich eine treue Community aufgebaut, ein bisschen vergleichbar mit der frühen Tesla Fangemeinde in Europa. Li Auto sieht man überraschend oft, vor allem die großen SUVs. Die haben mit ihrem Range Extender Konzept offenbar einen Nerv getroffen bei Familien, interessanterweise aber auch bei jungen Managerinnen ohne Kinder, die keine Lust auf Reichweitenangst haben.

MG muss man hier anders einordnen. MG gehört zu SAIC und wird in China unter dem Namen MG bzw. Roewe verkauft. Hier kennt die kaum jemand als eigenständige Marke, das ist eher ein Exportprodukt. Ähnlich Leapmotor, die in China zwar präsent sind, aber eher im Niedrigpreissegment und nicht mit dem Auftritt, den man aus Europa vielleicht erwarten würde. Kia und Hyundai sehe ich nahezu keine.

Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat: Die schiere Geschwindigkeit, mit der hier neue Marken und Modelle auftauchen. Du gehst an einer Straße entlang und siehst Logos, die du noch nie gesehen hast. Avatr, IM Motors, Deepal, Neta, Rising Auto (hoffe ist alles richtig geschrieben). Ständig ein neues Modell, ein neuer Showroom, ein neues Versprechen. Und gleichzeitig weißt du, dass die Hälfte davon in drei Jahren wahrscheinlich nicht mehr existiert. Das ist die Realität hier: Wahnsinnig dynamisch, wahnsinnig brutal und bis vor kurzem staatlich eben auch so gepushed um innovation zu Treiben.

XPENG hat meiner Einschätzung nach eine realistische Chance, langfristig zu überleben, gerade weil sie technologisch stark aufgestellt sind und mit VW einen strategischen Partner an Bord haben. Aber „überleben" ist hier tatsächlich das richtige Wort. Komfortabel hat es meiner Ansicht nach gerade niemand außer BYD.

Eben genau das schwirrt mir immer noch im Hinterkopf rum, seit wir den G6 auf dem Stellplatz haben.
Aufgrund unseres Rentnerdaseins haben wir gekauft, und nicht geleast.
Wir wollen den G6 so lang wie möglich fahren, dabei ist natürlich eine entsprechende Ersatzteilversorgung unumgänglich.
Nun denn. Wir haben gekauft und werden mit der Zukunft leben müssen.
Egal wie sie denn auch kommen mag, wir werden das Beste draus machen.

Danke für deine Einschätzung, zumindest diese Worte beruhigen mich doch etwas.
Aber es bleibt eben (D)eine Einschätzung, ohne Garantie auf dauerhaftem Bestand.
So realistisch bin ich.

Ich wünsche Dir weiterhin noch eine gute Zeit in China und werde weiter gespannt Deine Berichte dazu lesen.
Ist für mich ein echter Mehrwert einer Einschätzung, ohne selbst dort gewesen zu sein. :+1:

@RunFreakinFast

Danke für die Einblicke und bitte gerne mehr.

Ich finde das sehr interessant :blush:

Superinteressant! Danke dir für die Einblicke!