Klimawandel

Dass du diese 2 bis 3 Grad als Grundlage nimmst, zeigt genau das eigentliche Kernproblem. Im Alltag klingen 2 bis 3 Grad nach extrem wenig, weil wir den Unterschied zwischen 20 Grad und 22 Grad an einem Nachmittag kaum spüren. Der entscheidende Punkt ist jedoch der gewaltige Unterschied zwischen einem weltweiten Durchschnitt und der lokalen Realität vor Ort.

​Ein globaler Mittelwert steigt nämlich nicht überall gleichmäßig an. Zwei Drittel der Erde bestehen aus Ozeanen, die sich wegen der riesigen Wassermassen viel langsamer erwärmen als das Festland. Wenn die Erde sich im weltweiten Schnitt um 2 bis 3 Grad erwärmt, bedeutet das für die Landflächen über unseren Köpfen in Europa, dass die Temperaturen lokal um 4 bis 6 Grad steigen. Zudem verteilen sich diese Grade nicht gleichmäßig auf das ganze Jahr. Sie entladen sich vor allem in den Sommerfahrplänen und Hitzewellen. Aus einem globalen Anstieg von 2 bis 3 Grad werden auf dem Festland im Sommer schnell regelmäßige Spitzenwerte von 40 bis 45 Grad in Regionen, die dafür nie gebaut wurden.

​Dass sich das direkt auf Dürren und Flüsse auswirkt, ist einfache Physik: Wärmere Luft saugt Wasser auf wie ein Schwamm. Pro Grad Erwärmung kann die Luft etwa 7 Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Bei mehreren Grad Temperaturplus auf dem Festland zieht die erhitzte Sommerluft dem Boden und den Pflanzen in Südeuropa extrem schnell die Feuchtigkeit ab, was Wälder austrocknet und Brandgefahren vervielfacht. Gleichzeitig fällt in den Alpen im Winter immer öfter Regen statt Schnee. Weil die Schneedecke aber unser natürlicher Wasserspeicher ist, der das Wasser langsam über den Sommer abgibt, fehlt dieses Schmelzwasser in den heißen Monaten im Rhein.

​Ein weltweiter Anstieg von 2 bis 3 Grad entspricht daher Fieber beim Menschen. Zwei Grad mehr Körpertemperatur klingen gering, werfen das Gesamtsystem aber komplett aus der Bahn. Auf den Landflächen bedeuten diese wenigen Grade im Schnitt extreme Hitzeperioden, das Austrocknen wichtiger Flüsse und den Zusammenbruch gewohnter Landwirtschaft.

10 „Gefällt mir“

Das ist schlichtweg falsch. Sie war niedriger. Es gab zwar eine mittelalterliche Warmzeit. Aber die Durchschnittstemperaturen lagen da lediglich 0,5 bis 1 Grad über dem VORindustriellen Wert. Übrigens handelte es sich hier um einen regionalen Effekt. Der aktuelle Wandel des Klimas ist global.

5 „Gefällt mir“

Stand: 29.05.2026 • 17:00 Uhr

„Super-El-Niño“ oder „Mega-El-Niño“ - manch Schlagzeile klingt alarmierend. Für die Forschung steht fest: Das Klimaphänomen wird sich höchstwahrscheinlich bis Juli im Pazifik aufbauen.

Naja die gehen aber auf die Straße, was machen wir, wir wählen CDU. Da bin ich bei den jugendlichen.

2 „Gefällt mir“

Es geht um Durchschnittstemperaturen.
Wenn Dir die tollen Ausführungen von quix1983 zu kompliziert sind, vielleicht ein einfaches Beispiel:

20° C Durchschnittstemperatur können bei
+15° und +25° vorliegen oder bei
-10° und +50°.
Beides hat exakt die gleiche Durschnittstemperatur, macht das einen Unterschied oder anders gefragt, wo würdest Du dich wohl fühlen?

Und wenn uns das Eis der Polkappen Knietief um die Füße Schwappt, sind dann 2° egal?

Das Problem mit dem menschengemachten Klimawandel ist, dass wir es nicht „sehen“, da er zu langsam stattfindet. Unser Gehirn ist für so langsame Prozesse nicht ausgerichtet. Alles was langsam passiert, ist für uns normal.

Um also einen abstrakten Prozess wie den Klimawandel zu begreifen, müsste man erstmal zugestehen, dass es Menschen gibt die Klüger sind oder sich in einer Thematik besser auskennen. Wollen wohl wenige. Wir sind halt alle Universalgenies aber unwillig uns zu ändern. Wir lernen häufig aus Erfahrung (Vergangenheit), um etwas zu ändern benötigt es Vorstellung und teils abstraktes Denken, das ist halt anstrengend.

4 „Gefällt mir“

Auch das ist leider korrekt. Und es ist auch nicht so, dass es solche Leute erst seit gestern geben würde.

Schlimm, dass das Szenario schon vor fast 50 Jahren erkannt und dennoch - bis heute - erfolgreich ignoriert wurde.

5 „Gefällt mir“

Dahingehen ist die 3tlg. Doku „Big Oil vs the World“ recht aufschlußreich.
Sollte eigentlich jeder mal gesehen haben, dann weiß man auch woher viele „Meinungen“ und „Wahrheiten“ kommen und wie sie gebildet werden.

Finde ich grade leider nicht als deutsches Streaming, aber man kann ja einen deutschen Untertitel lesen.

2 „Gefällt mir“

Und wer meint, ist lange her und weit weg, der gleiche Hokuspokus wurde/wird hierzulande mit Windrädern inszeniert, z.B. mit Infraschall

1 „Gefällt mir“

Nach den mathematischen Klimamodellen (Emissionsszenario RCP 4.5) ist für die Region, in der ich wohne, für die nächsten 80 Jahre mit folgenden Änderungen zu rechnen:

  • Zunahme der Sommertage (>25 °C) um etwa 20 Tage pro Jahr,
  • davon eine Zunahme der heißen Tage (> 30 °C) um etwa 10 Tage pro Jahr.

Beim Niederschlag deuten die Modelle auf eine jahreszeitliche Verschiebung hin: Der Anteil des Sommerniederschlags nimmt ab, während der Winterniederschlag zunimmt. Die Größenordnung dieser Verschiebung liegt in etwa bei 10 % des Jahresniederschlags.

Damit bin ich absolut fein!

1 „Gefällt mir“

Dass du genau das Modell RCP 4.5 heranziehst, ist ein extrem wichtiger Punkt, der allerdings eine entscheidende Voraussetzung hat: RCP 4.5 ist nämlich kein Selbstläufer, der von alleine eintritt, wenn wir einfach gar nichts tun. Es ist ein weltweites Klimaschutz-Szenario, das explizit voraussetzt, dass die globalen Emissionen ab etwa 2040 massiv gedrosselt werden und weltweit ambitionierter Klimaschutz greift. Dass die Werte in diesem Modell für dich akzeptabel klingen, liegt also überhaupt erst daran, dass darin genau die Maßnahmen eingerechnet sind, die in der Debatte oft kritisiert werden. Würde man gar keinen Klimaschutz betreiben, greifen höhere Modelle wie RCP 8.5, bei denen sich die Zahl der heißen Tage und die Trockenphasen bis Ende des Jahrhunderts mehr als verdoppeln.

​Doch selbst unter den moderaten Bedingungen von RCP 4.5 wird es spürbar ungemütlicher und teurer, als die Zahlen im ersten Moment vermuten lassen. Eine Verschiebung von 10 Prozent des Niederschlags vom Sommer in den Winter klingt überschaubar, ist für den Wasserhaushalt und den eigenen Geldbeutel aber gravierend. Wenn der Sommerniederschlag abnimmt, während gleichzeitig durch 20 zusätzliche Sommertage und 10 heiße Tage die Verdunstung steigt, trocknen die Böden tiefgreifend aus. Das lässt sich im Winter nicht einfach ausgleichen. Weil das Wasser im Winter wegen der höheren Temperaturen immer seltener als Schnee liegen bleibt, fehlt im Frühjahr der natürliche Schmelzwasserspeicher. Starker Winterregen fließt zudem auf gesättigten Böden oft direkt ab, statt das Grundwasser nachhaltig aufzufüllen.

​Das hat ganz konkrete finanzielle Konsequenzen für den Alltag: 10 heiße Tage über 30 Grad machen Hitzeschutz und Klimatisierung im Eigenheim von einer Komfortfrage zur teuren Notwendigkeit. Die Zunahme von Starkregen im Winter führt zu mehr Schadensfällen, was die Beiträge für Gebäude- und Elementarschadenversicherungen für alle Wohneigentümer nach oben treibt. Wenn gleichzeitig die Sommer trocken bleiben, steigen die Kosten für künstliche Bewässerung in der Landwirtschaft, was sich direkt in den Lebensmittelpreisen im Supermarkt niederschlägt. Auch die Wasserversorger müssen in neue Tiefbrunnen und Leitungen investieren, was über die Abwasser- und Trinkwassergebühren umgelegt wird.

​Dass man die zusätzlichen wärmeren Tage persönlich schätzt, ist völlig verständlich. Die Ironie an RCP 4.5 ist nur, dass man genau die Klimaschutzmaßnahmen braucht, um diese Werte überhaupt zu halten, und selbst dann verlässlich höhere Kosten im eigenen Haushalt entstehen.

Im Grunde sind wir uns also einig. Es braucht enorme Klimaschutzbemühungen, dass wir auch in Zukunft sicher und friedlich auf dieser Erde leben können.

8 „Gefällt mir“

Hab Dank, @quix1983, für Deine fundierte Darlegung dessen, was belegt und gegenwärtiger Stand der wissenschaftlichen Forschung ist. Und meinen Respekt für die sachliche Form, in der dies geschah.

@anon2172227 don’t look up

4 „Gefällt mir“

…

Nur mal so, bei geringerem Niederschlag im Sommer (hört sich toll an) kommt die Landwirtschaft in Probleme. D.h. Nahrungsmittel werden knapper und teurer.
Ohne Bewässerung wird es dann nicht mehr funktionieren, was aber weiter sinkende Grundwasserpegel nach sich zieht (und die sind heute vielerorts in Deutschland schon ein Problem).

@McChill don’t look up :+1:

1 „Gefällt mir“

Bitte lasst uns die Diskussion hier nicht ins Persönliche abdriften.
Wer wem was wünscht, gerne per PN, nicht öffentlich.

Das ist hier ein Thema, welches bereits seit ein paar Tagen fröhlich Runden dreht. Jeder im Karussell hat seine Meinung (was auch in Ordnung ist), und jeder hat seine Wahrheit, von der er nicht abweicht (also fine).

Tauscht weiter gerne Argumente aus, Persönliches lassen wir bitte.

3 „Gefällt mir“

sorry

1 „Gefällt mir“

Also als jemand, der aus der Klimaforschung kommt, kann ich nur sagen: Leute, die ganze Diskussion hier hat doch keinen Sinn.

In meinen Augen gibt es 2 Lager: Die Einen, die verstanden haben, was auf uns zukommt, und die Anderen, die es nicht verstehen wollen, oder aufgrund ihrer Bildung bzw. kognitiven Fähigkeiten dazu nicht in der Lage sind.

Egal wie sehr die eine Seite hier mit wissenschaftlichen Fakten daher kommt, es wird bei der anderen Seite zu nichts führen. Die Karten (Fakten) liegen schon seit Jahren (!) auf dem Tisch, sodass jeder bereits mehr als genug Zeit hatte, sich seine Meinung zu bilden. Die Tatsache, dass es immer noch Klimawandel-Zweifler gibt, deutet darauf hin, dass es auch weiterhin Leute geben wird, die sich der besten Logik und wissenschaftlichen Erkenntnissen verweigern werden.

Als jemand der genau aus dem Bereich kommt, kann ich nur sagen, dass man mit Argumenten diese Leute nicht mehr erreichen kann. Alles Zeitverschwendung.

12 „Gefällt mir“

Die gibt es unbestreitbar, aber es gibt auch noch die Gruppe die ihr Geschäftsmodell erhalten wollen → das sind nicht unbedingt Zweifler, sondern berechnende „Ignorierer“ (zumindest so lange bis sie sich umorientiert haben bzw. mit diesem Modell kein Geld mehr zu verdienen ist).

Just my2ct

1 „Gefällt mir“

Eben doch: Diskutieren im klassischen Sinn kann man doch, und das passiert hier auch.

Meiner Wahrnehmung nach hat hier auch bisher niemand - zumindest explizit - versucht, andere von seiner Meinung überzeugen zu wollen. Das, da gebe ich dir recht, würde tatsächlich keinen Sinn machen.

1 „Gefällt mir“

Man kann verstehen, dass es nicht so weitergehen kann!
ABER: Deutschland hat nur 1% der Weltbevölkerung und nur 0,24% der Landmasse auf der Erde! UND wir sind wirtschaftlich nicht mehr dazu in der Lage, für den Rest der Welt das Steuer rumzureißen!

Man kann in vernünftigen Bahnen den Klimaschutz vorantreiben, aber nicht mit der Brechstange, die so gut wie gar keine Wirkung erzielt, aber dabei sprichwörtlich über Leichen geht!

Wir machen es aber ja nicht mit der Brechstange, im Gegenteil - wir verfehlen die Ziele. Und wenn man historisch gesehen für 2% des CO2-Ausstoßes verantwortlich ist und gleichzeitig nur 1% der Weltbevölkerung hat, ja dann muss man halt bisschen mehr auch machen.

3 „Gefällt mir“