Hallo zusammen,
ich bin Besitzer eines im Mai neu gekauften G9P BE (innen grau) und habe nun meine ersten 5.000 KM abgespult, so dass ich ein paar erste Eindrücke wiedergeben kann. Als ich in der Findungsphase für ein neues Fahrzeug war, habe ich Berichte dieser Art auch sehr interessiert gelesen und hoffe, dass ich Interessenten einen weiteren Eindruck mitgeben kann. Wichtig ist meines Erachtens, dass ich vergleichsweise viel und umfangreiche Erfahrungen mit E-Autos habe, denn das hat stark prägende Einflüsse auf die Bewertung des G9. Konkret fahre ich seit 2018 Tesla, wir haben seitdem immer 2 Modelle parallel im Haushalt. Zudem fahre ich im Firmenfuhrpark auch gelegentlich ID.7 und Q4 e-tron.
Bei der Kaufentscheidung im Mai ging es nur um Tesla Model Y Performance oder G9, der ebenfalls interessante Zeekr 7 GT war noch nicht greifbar. Angesehen habe ich mir aber auch den neuen E-GLC, der aber mit knapp 99.000 Euro in meiner Wunschkonfiguration für mich zu teuer war.
Entscheidende Kriterien waren für mich:
-
Zuvorderst viel Komfort, weil ich etwa 30.000–40.000 KM im Jahr abspule, viel Langstrecke.
-
Hohe Interieur-Qualität und schicke Materialien – da stehe ich ganz besonders drauf und drücke und fummele in allen Autos immer die Oberflächen ab etc. (ihr kennt das)
-
Satte Leistung für Sicherheit beim Überholen etc.; ich habe aber keine sportlichen Ambitionen, dafür gibt es Sportwagen.
-
Platz für Familie mit 2 Kindern, Raum für Gepäck, Kinderwagen. AHK für Fahrradträgertransport, ausreichende Stützlast für E-Bikes.
Ich habe den G9 dann eher zufällig in einem Autohaus gesehen, mich reingesetzt und war von der Materialanmutung, dem gelungenen Innenraum und dem insgesamt wertigen Auftritt ganz entzückt. Nach fleißiger YouTube-Video-Sichtung und den durchweg positiven Kommentaren dort habe ich mich sehr zügig zum Kauf entschlossen. Ich hatte parallel ein brandneues Model Y Jupiter Performance für eine Woche in Nutzung. Ausschlaggebend für den G9 waren der luxuriösere Innenraum und etwas mehr Platz in der Kabine. Das Außendesign des G9 in der BE hat mich auch überzeugt.
Was mir bislang beim G9 gut gefällt:
- Der helle Innenraum mit dem ansprechenden Materialmix ist das Hauptargument, warum mir der Wagen jeden Tag Freude macht. Das weiche Leder, der Wildleder-Dachhimmel, die metallenen Blenden bei den Lautsprechern – sieht alles toll aus und wirkt premium. Tatsächlich auch besser als bei aktuellen deutschen Herstellern, die ich erst mit einem enormen Aufpreis/Extra-Einsatz auf ein noch besseres Niveau wie den G9 bringen kann. Dann kosten diese Autos aber auch minimum 20.000 Euro, eher 40.000 Euro mehr.
- Trotz der beachtlichen Größe lässt sich das Fahrzeug gut rangieren, die Kameras helfen im Parkhaus etc. Ich habe nach wenigen Tagen ein gutes Gefühl zu den Abmessungen entwickelt und fühle mich sicher beim Fahren.
- Die Leistung ist weniger präsent im Vergleich zum Tesla. Dessen Punch fehlt, aber trotzdem bin ich zufrieden und mag, dass der G9 immer mehr als ausreichend Kraft zur Verfügung stellt. Ich fahre fast ausschließlich in KOMFORT.
- Die Massagefunktion ist überzeugend, auch besser im Vergleich zu anderen Herstellern. Ich nutze sie häufig.
- Das schnelle Laden ist grandios. Gestern noch bei Fastned kontinuierlich 300 KW Maximum an der Säule über 15 Minuten bekommen. Das ist schon mehr als gut. Der Verbrauch ist mit etwa 23 Kw/100Km ok, bei Tesla bin ich aber mit vergleichbarer Performance (Model YP) auf den gleichn Strecken bei etwa 16 Kw/100 Km gelandet, was die größere Batterie des G9 relativiert und unter dem Strich eine etwas geringere Reichweite beim G9 bedeutet. Aber das limitiert mich eher nicht. Das Lade-Verhalten korrespondiert sehr gut mit meinen Bio-Breaks.
- Das Ausparken mit der APP von außen ist wirklich nice und wird auch aufgrund der Größe des G9 in engen Parkhäusern durchaus benötigt. Auch das automatische Einparken ist super umgesetzt und die freie Wahl des Parkplatzes auf dem Display (seit dem letzten Update) ist schon cool.
- Kleine Details wie die beidseitig öffnende Klappe der Mittelkonsole und der Brillenhalter in der Dachkonsole sind nett. Gab es früher häufig auch bei deutschen Herstellern, ist irgendwann entfallen. Schön, dass Xpeng so etwas Analoges mitdenkt.
- Als Digital Freund mag ich die unglaublich vielen Einstellmöglichkeiten. Ich sitze manchmal nach dem Ende der Fahrt noch länger im Auto und tippe mich durch die Menüs. Mir macht das große Freude und anderen ist das ein Graus. Muss jeder selbst entscheiden. Die Menüstruktur und -vielfalt ist jedenfalls herausfordernd, aber nach einer gewissen Einarbeitungszeit durchaus beherrschbar.
Mich stört:
Und diese Punkte muss man im Kontext sehen: Ich fahre sehr zufrieden Tesla und hatte bei über 250.000 KM mit der Marke keinen einzigen Ausfall oder Werkstatt-Aufenthalt. Ich habe meine Teslas keinen Tag in der Werkstatt gehabt, außer für nicht notwendige Sicherheits-Checks vor längeren Auslandsfahrten etc. Filtertausch, neue Wischerblätter etc. Mein Benchmark ist also sehr hoch. Wenn man vom Verbrenner kommt oder auch von den ID-Modellen oder Qs des Volkswagenkonzerns, dann sieht die Ausgangslage anders aus.
- Das Fahrwerk ist nur auf neuen, glatten Belägen wolkenweich und komfortabel. Dafür, dass aufwändig mit 2-Kammer-Luftfederung gearbeitet wird, ist das Feintuning erstaunlich schlecht gelungen. Gullideckel, Schlaglöcher, Rillen werden zum Teil sehr rumpelig und hart an den Innenraum weitergegeben. Das machen andere deutlich besser, aber auch nicht perfekt. Mercedes schafft aber mit der 1-Kammer-Luftfederung im neuen GLC deutlich mehr Komfort bzw. ein satteres Fahrgefühl. Bei hohen Geschwindigkeiten neigt sich der Wagen spürbar, sogar bis hin zu einem starken Unsicherheitsgefühl, vor allem bei Bodenwellen. Hohe Autobahngeschwindigkeiten sind auf langen Geraden angenehm, während Kurven kein Fahrvergnügen bieten. Und an der Stelle muss ich ein Plädoyer für das viel gescholtene Model-Y-Performance-Fahrwerk halten. Das war im Vor-Facelift wirklich zu hart. Das Juniper hat aber hervorragend nachgelegt. Nicht so weich wie der G9, aber dafür mit Landstraßen- und Performance-Kompetenz. Es handelt sich um ein ganz anderes Auto, das fahrwerkstechnisch meiner Meinung nach viel besser ist. Die Entscheidung zugunsten des G9 habe ich aber bewusst getroffen, weil ich mit dem Wagen zum überwiegenden Teil bei 70–120 km/h unterwegs bin und der Komfort-Aspekt ausschlaggebend ist. Ich fahre keine Rennen (mehr), sondern stressvermeidend und gemütlich. Einen durchaus nachvollziehbaren Eindruck bietet der Test der Auto Zeitung, dort wurde der G9 mit dem GLC und XC60 vergleichen (Link: AUTO ZEITUNG G9 im Vergleich mit GLC und XC60, generell muss man aber sagen, dass die AZ nichts auf ihre Anzeigen-Kunden kommen lässt. in diesem Fall konnte ich die Kritik am G9 Fahrwerk aber aus eigener Anschauung nachvollziehen)
- Die Sitze bieten wenig Seitenhalt und sind einfach zu breit, sodass die Seitenwangen bei mir nicht greifen. Ich habe bei 1,83m eine normale Statur. Man profitiert von der Sitzweite sicher, wenn man dick und voluminös ist. Und wieder: Die Performance-Sitze im Juniper Model Y sind ein Traum, für mich viel angenehmer. Leider aber ohne Massagefunktion.
- Immer mal wieder Bugs in der Software, das bin ich von Tesla nicht gewohnt. jedes einzelne Phänomen selten, in der Summe aber doch als noch unausgereift wahrnehmbar:
- Auto erkennt die App überhaupt nicht, ich war gezwungen, auf die Karte zurückzugreifen.
- Auto erkennt Smartphone-App häufig zu spät und ich stehe hilflos vor dem Auto, bis es sich öffnet.
- Die Sprachsteuerung funktioniert schlecht und manchmal sehr verzögert. Die wichtige Anrufsteuerung per Sprache funktioniert mit „Anrufen VORNAME NACHNAME“ gar nicht. Ich habe jetzt herausgefunden, dass es mit „Anrufen Vorname oder alternativ Nachname“ besser klappt. Dann muss ich aber noch auswählen aus den diversen Kontakten.
- Die Navigation ist manchmal etwas langsam. Gerade in der Stadt bei Stress im Verkehr und an Kreuzungen oder Abzweigungen hängt die Lokalisierung, so dass der Positionspfeil springt (und man dann die Straße verpasst). Mir fehlt die Satellitenansicht und das schnelle Pinch-to-Zoom funktioniert im G9 leider nicht wie bisher bei Tesla gewohnt. Google Maps über CarPlay ist nur bedingt eine Alternative wegen der fehlenden Ladeplanung und dort gibt es gar kein Pinch-to-Zoom.
- Bei CarPlay-Nutzung habe ich mit der Freisprechfunktion des Telefons Probleme. Es entsteht ein Hall/Echo beim Gesprächspartner. Wenn ich das Gespräch beende und über die Telefon-Funktion des G9 gehe, ist das Problem behoben. Die Lautsprecher in der Kopfstütze des Fahrersitzes finde ich sinnlos, schlechter Klgang und eigentlich null Mehrwert, das habe ich direkt ausgeschaltet.
- Die Spotify Nutzung ist etwas schwergängiger im Vergleich zu Tesla. Ich kann schlechter das manuelle Vor- oder Zurückspulen innerhalb eines laufenden Songs durch das Ziehen des Abspielcursors (Playhead) auf der Zeitleiste (Scrubber Bar) ausführen (nicht vorhanden). Insgesamt fehlen einige Funktionen. YouTube läuft einwandfrei. Prime bekomme ich nicht ans Laufen, weil er bei mir im Anmeldeprozess aussteigt.
- Die Soundanlage ist gut, aber auch etwas weniger leistungsstark (z. B. beim Bass) als die im Tesla. Ich frage mich nur, wo der ganze Aufwand mit 22 Lautsprechern etc. im G9 verpufft. Auch die gerühmte Dolby-Atmos-Funktion kommt nur mäßig bei mir im Gehörgang an (natürlich höre ich entsprechend geeignete Tracks).
- Das LCC und die Assistenten sind unausgereift. Im Stau Stop & Go fährt der Wagen etwas ruckelig an und bremst dann wieder zu abrupt. Die Mittenausrichtung beim Fahren funktioniert häufig nicht. Nachdem der Wagen einige Male eher unerwartet in Kurven einfach aus dem LCC ausgestiegen ist und ich nur mit einer sehr schnellen Reaktion Schlimmeres verhindern konnte, habe ich mir die Nutzung schon wieder abgewöhnt. Auch hier ist Tesla deutlich voraus, jedenfalls in Deutschland. VW hat da auch einen Vorsprung, deren Travel Assistant funktioniert ebenfalls sehr gut und besser als bei Xpeng. Aus China hört man ja aber ganz gute Dinge über die Performance von XPeng.
- Den unausweichlichen Kontakt mit dem Händler erlebe ich als aufwändig und hinderlich. Die Wege sind lang, kompliziert, Flüchtigkeitsfehler bei Terminvereinbarungen und Unzulänglichkeiten beim Personal kosten mich Lebenszeit. Bei Tesla ist alles digitalisiert und minimalinvasiv. Einen ersten Rückruf wegen des Luftfahrwerks sehe ich Xpeng nach, da so etwas jedem Hersteller passieren kann. Aber mehr als die jährlichen Inspektionen will ich nicht erleben (die hat Tesla auch nicht).
- Der Wagen ist auf Premium ausgerichtet, aber kleine, einfache und simpel umzusetzende Details fehlen: Warum keine Doppelverglasung? Der Wagen ist zwar auch ohne innen sehr leise, bei höheren Geschwindigkeiten werden die Windgeräusche aber doch präsent und hätten sicher mit Doppelglas noch etwas gemildert werden können. Ist das nicht auch mittlerweile Standard bei höherwertigen Autos? Und warum hat der Wagen keine Umfeldbeleuchtung in den Türen? Kostet einen Euro, das Kabel nach unten zu führen und eine LED aus der Türverkleidung strahlen zu lassen. Gerade, weil die Chinesen viel Wert auf die Inszenierung legen, wundert mich das. Aber auch das ist ganz sicher nicht kriegsentscheidend.
Würde ich den G9 wieder kaufen?
Das ist wohl noch zu früh und kommt sicher ganz maßgeblich auf die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs an. Die maximale Unkompliziertheit bei Tesla hat mich tief beeindruckt, weswegen wir auch parallel zum G9 wieder ein Model 3 Highland angeschafft haben. Übrigens kann man dort wie seit Anfang an mit einem Klick bestellen, dann online Geld überweisen, dann selbst anmelden und darauf den Wagen abholen – super einfach. Auch im täglichen Vergleich zeigt sich relativ gut, dass der Tesla unkomplizierter, einfacher in der Bedienung und durchdachter ist. Wahrscheinlich würde ich in 2–3 Jahren wieder erwartungsvoll bei Tesla schauen, was die in der 70.000-Euro-Liga am Start haben, und wieder zum Model Y – dann hoffentlich mit 800-V-Technik – wechseln. Und bitte nicht falsch verstehen, ich freue mich jeden Tag auf die Fahrt im XPeng und drücke mir selbst die Daumen, dass ich nicht in die Werkstatt muss. Und wenn unser neues Model 3 in 3 Jahren ersetzt wird, schaue ich dann auch, was wiederum Xpeng anzubieten hat. Der Xpeng L03 sieht ja auch wieder sehr interessant aus.

