Ich habe mir in den letzten Tagen – nach nunmehr 3000 zurückgelegten Kilometern mit dem Xpeng P7+ Performance – mal die Zeit genommen, meine gesammelten Beobachtungen aus dem Alltag aufzuschreiben. Da uns allen eine gute Software und ein reibungsloses Fahrerlebnis am Herzen liegen, dachte ich, ich teile den Katalog einfach mal hier mit euch.
Vielleicht kommt euch das ein oder andere bekannt vor – schaut gerne mal drüber, ergänzt eure Punkte, und wenn wir das gebündelt an die entsprechenden Stellen weiterleiten, umso besser!
Mit nunmehr 12 Jahren Tesla-Erfahrung (Model S, 3 und X) und über 500’000 elektrischen Kilometern auf dem Buckel weiss man ja mittlerweile ganz gut, wo der Hase beziehungsweise der Elektromotor läuft. Manches schätzt man bei Xpeng schon sehr, aber ein paar Punkte aus der Tesla-Schule (oder einfach gesunder Menschenverstand) würden der Software und dem Auto verdammt gut stehen.
Hier ist meine Wunsch- und Mängelliste nach den ersten 3000 km:
Software-Feedback & Verbesserungsvorschläge
1. Navigationssystem & Routenführung
Zwischenziele: Wer gerne mal plant, schaut aktuell in die Röhre – Zwischenziele fehlen leider völlig.
Stauumfahrung: Wenn man einstellt, ab wie vielen Minuten Verzögerung umfahren werden soll, bleibt das System komplett intransparent. Es fehlt schlicht der Hinweis: „Hey, ich plane dir gerade eine neue Route!“
Kartenansichten & Flexibilität:
Der Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven (Nord-Ausrichtung, Fahrtrichtung, Gesamte Route inkl. Zwischenziele, nächstes Etappenziel) wäre extrem sinnvoll. Die Satellitenansicht fehlt derzeit komplett.
Die Ansicht der Gesamtstrecke ist zu grob und geizt mit Details. Da ist noch Luft nach oben im Vergleich zu dem, was man von anderen Systemen gewohnt ist.
Ladeplanung & -anzeige:
Während der Navigation hätte man gerne Infos zur nächsten Ladesäule direkt unter dem nächsten Richtungswechsel (voraussichtliche Ladedauer und Akkustand in % bei Ankunft – so wie man es mühsam erst umständlich in den Details suchen muss).
Live-Infos zur Belegung von Ladesäulen vor der Ankunft wären ein Traum.
Sprachassistent bei Navigation: Unser digitaler Freund versteht aktuell absolut keine Adressen und ist für die Zielführung damit schlicht unbrauchbar. Auch Ladesäulensuche mit Filtern (z. B. „EnBW über 300 kW“) in der Nähe eines bestimmten Ortes sollte über den ganzen Radius hinweg klappen und sich nicht nur auf den Kirchturm im Umkreis von 50 Metern beschränken.
2. Verbrauchsanzeige
Eine detaillierte Verbrauchsanzeige pro Trip (Trip A / Trip B) fehlt komplett. Das wäre für die Auswertung des persönlichen Fahrverhaltens super. Die Tagesansicht in der App spiegelt leider oft nicht das wider, was man im Alltag realistisch erwartet.
3. Klimaanlage
Thermodynamik à la Xpeng: Damit man im Innenraum nicht zum Eiszapfen gefriert, muss die Klimaanlage gefühlt auf 25 °C eingestellt werden. Da stimmt die Kalibrierung der Temperaturregelung hinten und vorne nicht.
4. Bedienung & Menüführung
Das Menü ist ziemlich verschachtelt. Klar, der Wagen kann im Vergleich zu manchen Minimalismus-Mitbewerbern auch viel einstellen – aber eine etwas geradlinigere Struktur oder ein paar smarte Schnellzugriffs- und Favoritenfunktionen würden den Puls beim Suchen im Untermenü deutlich senken.
Sonnenbrillen-Drama: Mit Sonnenbrille erkennt die Kamera die Augen oft nicht zuverlässig. Das hat bei mir schon zu einem harten Nothalt geführt und nervt mit ständigen, völlig unnötigen Warnungen – das ist ein echter Sicherheitsfaktor, der dringend gefixt werden muss.
Lenkrad-Erkennung (Hands-on): Wer die linke Hand ganz entspannt auf der 9-Uhr-Position am Lenkrad parkt, erntet Daueralarm und ununterbrochenes Gepiepse („Bitte auf die Verkehrsverhältnisse achten!“). Erst wenn man die Hand wegzieht oder verkrampft nach unten versetzt, ist Ruhe. So natürlich kann man seine Hände also nicht am Lenkrad lassen.
Baustellen-Panik: In engen Baustellen greift die Korrektur der Fahrzeugausrichtung (selbst ohne aktives LCC oder Autopilot) manchmal so unschön ein, dass man unweigerlich Angst kriegt, gleich die Betonwand zu küssen.
6. Scheibenwischer
Die höchste Stufe („Hi“) ist bei echtem Starkregen ungefähr so schnell wie ein müder Scheibenwischer im Oldtimer. Da muss deutlich mehr Tempo her, in der Automatik geht es ja auch!
7. Licht (Automatisches Abblendlicht)
Strömender Regen, schlechte Sicht, andere Autos fahren längst mit Licht – und der Xpeng denkt sich: „Ach, ist doch hell genug.“ Hier sollte das automatische Abblendlicht deutlich früher und zuverlässiger reagieren.
8. Head-up-Display (HUD)
Bitte lasst uns im HUD neben den Kilometern auch den aktuellen Akkustand in Prozent (%) anzeigen. Das schont die Nerven ungemein.
9. Telefonie
Anrufer fragen mich über die Freisprecheinrichtung regelmässig, ob ich gerade in einer Konservenbüchse oder unter Wasser telefoniere. Die Mikrofonqualität ist ziemlich dünn.
10. Dashcam
Eine funktionierende Dashcam-Funktion scheint für die Schweiz aktuell blockiert zu sein (angeblich wegen datenschutzrechtlichen Bedenken). Frage in die Runde: Ist hier eine Freischaltung geplant? Bei anderen Marken (z. B. Tesla) geht das in der Schweiz ja schliesslich auch problemlos.
11. Rückfahrkamera
Wenn man den Rückwärtsgang einlegt, vermisst man schmerzlich die Bilder der seitlichen Totwinkel-Kameras in den Aussenspiegeln (unterhalb der Hauptkamera). Das ist beim Rangieren in engen Parklücken eine echte und extrem vermisste Hilfestellung.
Hardware-Themen für die Zukunft (Nice-to-have):
HEPA-Filter: Es ist leider kein HEPA-Filter verbaut, weshalb es je nach Aussenduft (Gülle, Lkw-Abgase) im Innenraum schnell mal unangenehm riecht.
Sitze: Im Vergleich zu Tesla bieten sie etwas weniger seitlichen Halt – dafür reist man auf ihnen natürlich ausgesprochen kommod und langstreckentauglich.
Wie seht ihr das bei euren Fahrzeugen? Welcher Punkt triggert euch im Alltag am meisten? Freue mich auf euer Feedback!
Die ersten beiden Punkte verstehe ich nicht. Wenn die Route angepasst wird, wird das angezeigt bzw. sogar gefragt, ob man umplanen möchte. Und natürlich gibt es Zwischenziele.
Ich persönlich verstehe es nicht, warum man sich einen Xpeng zulegt, und dann alles mit einem Tesla vergleicht, den man mal gefahren ist, und der alles scheinbar so viel besser macht.
Deine Kritikpunkte kann ich verstehen, bin mit der Software von Xpeng auch nur so bedingt zufrieden, das Navi ist leider ziemlich schlecht. Hoffen wir dass alle Modelle irgendwann Google Maps bekommen
Ich habe bei meiner Probefahrt den PM2.5-Filter aktiviert, da konnte ich Gerüche mMn. sehr gut mit minimieren - ist das nochmal eine andere Spezifikation als HEPA?
da hast du natürlich absolut recht – und ich kann deinen Einwand total verstehen!
Der Wechsel zu Xpeng war bei mir absolut bewusst und kein Kompromiss. Nach so vielen Jahren in verschiedenen EVs schätzt man eben auch andere Qualitäten: Der Xpeng P7+ bietet in puncto Komfort, Platzangebot, Fahrwerk und einigen Hardware-Faktoren einfach ein verdammt gutes Gesamtpaket, das mich absolut überzeugt hat.
Wenn ich den Vergleich zu Tesla ziehe, dann ist das gar nicht als Lobhhudelei für den US-Hersteller gemeint, sondern schlicht der Referenzpunkt, den man nach 12 Jahren Elektro-Alltag automatisch im Kopf hat. Jede Marke hat ihre Stärken – bei Tesla ist es historisch bedingt eben oft die Software, während Xpeng in anderen Bereichen stark abliefert.
Genau deshalb teile ich diese Punkte hier so offen: Weil das Auto verdammt viel Potenzial hat und man mit ein paar Software-Updates an den richtigen Stellschrauben (wie Navigation oder Sprachbedienung) das beste aus beiden Welten verbinden könnte. Es soll also kein Meckern auf hohem Niveau sein, sondern konstruktives Feedback, um ein ohnehin schon tolles Auto noch runder zu machen.
Fand es aber spannend, dass das so rübergekommen ist – danke für deinen ehrlichen Input!
Warum kauft man sich dann einen Xpeng-wenn man sich ja auch meistens vorher informiert hat- wenn alles so schlecht ist ? Geb einfach 40000SF mehr aus und kauf dir einen perfekten Benz oder Porsche…Bei Mercedes hat es einige Jahre gedauert bis deine ganzen angesprochenen Punkte so einigermaßen geklappt haben…und da musste ich für jeden Zusatz bezahlen oder ein Abo abschliessen ! Also einfach mal warten was da noch alles geändert und verbessert wird seitens der Software
danke dir für die Erläuterung, das macht dann Sinn.
Vielfach liest man leider nur das Negative, was Neubesitzer an ihrem Xpeng kritisieren. Kommt dann noch (unkommentiert) der Vergleich mit dem vorher gefahreren Modell hinzu, dann erscheint das eben fragwürdig. Bestenfalls reicht ja dann eben der Hinweis, dass man konstruktive Kritik üben möchte und vor allem mit seinem Xpeng dennoch zufrieden ist.
Danke für den Hinweis! Das ist ja spannend – da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Software-Versionen (XOS 5.9.5) oder Einstellungen manchmal reagieren können.
Bei meinem P7+ Performance verhält sich das aktuell leider anders: Wenn eine Stauumfahrung greift, bleibt das bei mir komplett intransparent. Es ploppt weder eine Abfrage auf noch kriegt man eine klare Info, dass gerade eine neue Route gebastelt wird – der Wagen zieht die Änderung einfach im Hintergrund durch, ohne dass man merkt, warum er jetzt plötzlich anders fährt.
Und das Thema Zwischenziele muss ich mir im Menü wohl noch mal ganz genau ansehen oder vielleicht übersehen ich da schlicht etwas. Wo genau verstecken die sich denn bei dir? Wenn das schon da ist, nehme ich das natürlich gerne zurück – man lernt ja schliesslich nie aus!
da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus – im Internet wird oft schnell mal Dampf abgelassen, ohne dass das Gesamtbild rüberkommt. Umso besser, dass wir das kurz klären konnten!
Um das deshalb auch noch mal ganz klar zu betonen: Ich bin extrem froh, mich für diesen Wagen entschieden zu haben. Neben dem ohnehin schon überraschend niedrigen Verbrauch gibt es im Alltag mittlerweile ein ganz neues Problem: Ich bin in den Ladepausen plötzlich immer zu langsam für das Auto, weil das Laden so fix geht und ich noch nicht mal mit Kaffeetrinken fertig bin!
Der P7+ Performance macht im Alltag einfach enorm viel Laune – und genau deshalb will man eben, dass die letzten kleinen Ecken auch noch perfekt rundlaufen.
da hast du mich jetzt ehrlich gesagt etwas missverstanden – von „alles ist schlecht“ war absolut nie die Rede!
Im Gegenteil: Ich bin total begeistert von dem Auto, gebe auf langen Strecken mittlerweile den Ton an, weil das Laden so schnell geht und bin mega froh über die Entscheidung für den P7+.
Genau deshalb ist die Liste ja auch als konstruktives Feedback gedacht. Wenn einem das Auto egal wäre, würde man sich die Mühe gar nicht machen, sich hinzusetzen und die Punkte so detailliert aufzuschreiben. Und klar, man weiss vor dem Kauf, worauf man sich einlässt – aber Software lebt nun mal davon, dass man Schwachstellen aufdeckt und gemeinsam mit der Community und dem Hersteller verbessert.
Dass alteingesessene Marken wie Mercedes oder Porsche auch Jahre gebraucht haben, stimmt natürlich völlig. Umso wichtiger ist es doch, dass wir als Fahrer den Herstellern spiegeln, wo man die Konkurrenz direkt überholen kann.
Also: Alles gut, der Wagen macht riesigen Spass – ich freue mich einfach auf die Updates, die da hoffentlich noch kommen!
der Wagen zieht die Änderung einfach im Hintergrund durch, ohne dass man merkt, warum er jetzt plötzlich anders fährt.
Ich schätze da wird einfach unsere Mentalität mit reinspielen. Man kann sich auch fragen, warum man das überhaupt wissen will. Klar, blind vertrauen ist so eine Sache, das macht man allenfalls in der Familie ohne weiteres. Aber muss ich den Grund dafür wirklich wissen? Die Information bringt mich ja nicht weiter. Man könnte also einfach annehmen, dass der Wagen schon weiß, was er da tut und sich freuen, komplett ohne gestört zu werden die beste Route angezeigt zu bekommen.
Ein normaler PM2.5-Filter schlägt sich im Alltag super gegen Feinstaub und hält die Stadtluft gut draussen – das merkt man sofort. Wenn es aber ganz extrem wird (wie frische Gülle auf dem Land oder ein alter Diesel-Lkw direkt vor der Nase), reicht die Aktivkohle im Standardfilter irgendwann nicht mehr aus, und der Geruch drückt durch.
Ein echter HEPA-Filter, wie man ihn aus dem Tesla-Regal kennt, ist dagegen ein echtes Dickschiff mit einer massiven Schicht Spezial-Aktivkohle, die solche Gerüche komplett wegschluckt. Der P7+ hat „nur“ den guten PM2.5-Filter. Das ist für den Alltag absolut solide, aber so ein richtiger „Bioweapon-Filter“ wäre auf Langstrecken oder dem Land ein echter Komfort-Bonus, bei dem man den Geruch draussen lässt.
Und die ganzen Hersteller, die das High-Performance-Laden unterstüzten und freigeben, sogar Garantie auf die Akkus geben, haben nicht so die richtige Ahnung. Ja dann…
Davon ist keine Rede. Die Akkus halten dem Lade-Entlade-Stress über die zugesicherte Laufzeit stand, darauf sind sie konzipiert. Dennoch ist die Aussage eines Fachmanns, in diesem Fall Tom Böttcher, dass geringere Ladeströme die Akkus weniger stressen, für mich aussagekräftiger als Dein Kommentar.